Samstag, 11. Juni 2016

++2: Afrikanische Geldgeschichten: Lug und Trug

Es tut mir leid das jetzt so trocken zu schreiben, aber in den Breitengraden hier unten hält man es mit der Wahrheit gar nicht streng. Beispielsweise wird aus einem dahergelaufenen Typen von der Straße plötzlich ein seriöser Regierungsmitarbeiter. Aus einem europäischen Schwätzer wird ein Journalist im Auftrag der Blablabalbablubberfasel Organisation.

Integration ist ja heutzutage ein schwerwiegendes Thema der Weltpolitik. Also habe ich mir (k)eine Blöße gegeben und mich dem hier vorherrschenden Wahrheits-Klima angepasst. (bitte keine Kommentare zu „Lügenpresse“ oder so, das ist nicht der springende Punkt in diesem Text)

Während meines Spaziergangs durch die chaotische Metropole Dar es Salaam auf der Suche nach DEM perfekten Foto-Motiv und einer Bar, die die EM überträgt, wurde meine Rhetorik also durchaus auf die Probe gestellt. Wahrheitsfindung – war des Öfteren ein Thema. Das hier entscheidende Fallbeispiel findet auf einem Abflussrohr mitten im indischen Ozean statt. Dort kann man bei Ebbe einfach hunderte Meter ins Wasser stapfen ohne nass zu werden. Das Motiv von Skyline und Meer ist aus diesem Blickwinkel erschreckend fotogen. Doch Halt. Ein Verfolger. Die 50 Zentimeter Rohr reichen kaum für meine Plattfüße, aber ein treuer Tansanier erblickt meine Weißnasigkeit und sieht seine Chance. Ich denke: „Der will dich bestimmt erpressen und ins Meer schupsen!“ Schockstarre. Der Kampf um das Rohr steht bevor. Gewinnen oder nass werden – das Motto des Fights über 12 Runden.

Es kommt nicht zur Neuauflage vom Rumble in the Jungle. Der Verfolger gibt sich auf unserem Steg, fern von der Innenstadt, als Regierungsmitarbeiter aus. Zitat: „Mir gehört das Rohr. Ich beschütze schon immer alle Touristen, die hier Fotos machen.“ Verdammt! Es gab schon Leute, die hier instagram-tauglich knipsten? Und Verdaaaammt! Der Typ ist von der Regierung? Einen Ausweis hat er nicht. Ich meine „Akkreditierung von der deutschen Botschaft persönlich ausgestellt“ auch nicht. Gleiches mit Gleichem. Ob ich Geld dabei hätte, fragt der besorgte Bürger Tansanias. Dann tische ich ihm – mit 40.000 tansanischen Schilling in der rechten Hosentasche – eine Story auf, von der ich wünschte, dass sie ebenfalls erstunken und erlogen wäre.

Ich habe natürlich kein Geld dabei. Armer Student und so. Süddeutsche Sparermentalität lasse ich dezent außen vor. Meine letzten Währungseinheiten habe ich gestern Nacht in einem chinesischen Casino-Restaurant, in dem sie das Eröffnungsspiel der EM auch nicht gezeigt haben, verballert. Dort ging ich mit 10.000 Schilling, die normalerweise locker für einen ganzen Tag inklusive Essen und Trinken reichen, davon aus, dass es hier nicht überteuer war. Weit gefehlt, du Depp! In einem östlich-asiatisch betrieben Spiellokal, das in direkter Nähe zu der chinesischen Botschaft steht, ist logischerweise nichts billig. Mein Smart-Ass also in großen Geldschwierigkeiten und unter eisern silbernem Blick der Chefin, die bestimmt noch andere Geschäfte (hundertpro Mafia !!!!1!!!111) nebenher durchzieht, in Erklärungsnot.

Um das oben genannte Vorurteil doch zu bedienen: Durch mein Studium der Wortverdreherei kann ich urplötzlich unglaublich überzeugend Unwahrheiten aus dem Hut zaubern. Natürlich ist der empörend horrende Preis in dem Etablissement nicht meine Schuld. Der Fakt, dass ich zu wenig Moneten in der Tasche habe, lohnt ja noch lange nicht, um hier einen Aufstand zu machen. Andere Menschen geben unglaublich viel Trinkgeld, da kann man einem armen Studenten aus Deutschland, der keine Ahnung von diesem neuen Land hat, keinen Vorwurf machen. Ganz logisch. Zehn Minuten später verlasse ich das Casino, ohne einen Cent in der Tasche und ohne zu wissen, dass Dimirti Payet gerade in einer anderen Zeitzone die Rumänen erschossen hat.

Am Ende der Geschichte weiß der verdatterte Regierungsbeamte meines Vertrauens nicht, um welchen Betrag es sich handelt, den ich dem Etablissement (hundertpro Geldwäscherei !!!!1!!!111) eigentlich noch schulde. (Anm. d. Red. Im Grunde lächerlich wenig) Aber das ist auch egal, weil es geht ums Prinzip. Hier unten schlängelt man sich halt durchs Leben. Okay, da sollte ich nicht mitmachen und durch diesen legendären Besuch in der chinesischen Spiel-Hölle habe auch ich einige Schlüsse gezogen. Ich gehe nicht mehr in ein chinesisches Casino auf der Suche nach Fußball. Weil das TV-Programm dort war mehr als verstörend.

Trotzdem muss man hier kreativ bleiben und das Spiel des Lebens mitspielen. Ansonsten wird es im wahrsten Sinne des Wortes teuer.

Meinen Foto-Trip im Ozean beende ich bevor mein besorgter Freund, auf der Suche nach his fair share of money, seine Lebensgeschichte auftischen kann. Die touristischen Ziele, die er als nächstes vorschlägt, habe ich natürlich schon alle gesehen. Ich bin ja schon seit Wochen hier und kenne mich unglaublich gut aus. So gut, dass ich drei weitere Fußballspiele verpasst habe. Dafür weiß ich jetzt, wo man sein Geld locker loswerden kann. Ganz ohne Spielautomaten und Fußball.


Dienstag, 7. Juni 2016

++1: 10 Winks, die man in Tansania braucht


1. Reißfesten Geduldsfaden
Ufff, hier ist alles ein Ticken langsamer. Oder zwei. Oder drei. Sekretärinnen schlafen beispielsweise bei der Arbeit auf ihrem Stuhl ein (Bilder versuche ich nachzuliefern). Ablenkung gehört hier irgendwie zur Arbeit dazu wie Schreibfehler auf Bürgerbewegungsseiten in Deutschland. Vorarbeit und Vorbereitung bleiben des Öfteren dezent auf der Strecke liegen. Da heißt es Effektivität hintenanstellen und einfach ein bisschen „Chillaxen“. Auch wenn man das schon über das gesamte Wochenende erledigt hat.

2. Antizipation 
So nennt es zumindest der eloquente Gymnasiast. Im Straßenverkehr in der Metropole Dar ist die vorausschauende Sicht- und Bewegungsweise förmlich überlebenswichtig. Auch als Fußgänger oder insbesondere als jener. Ein souveränes Überqueren der Straße braucht Geschick und das nötige Talent. Kann man nicht lernen. Da braucht’s Erfahrungswerte. Da muss man dann auch mal mit dem Unmöglichen rechnen. Unter Druck Höchstleistungen abliefern. Sprinten aber dringend umgehen – sieht einfach dumm aus. Als wäre man nicht von hier.

3. Zweite Kreditkarte 
Jaja, das liebe Geld. Auch wenn man als normaler tansanischer Bürger wenig davon braucht bzw. hat, muss der gemeine europäische Praktikant seine Gastfamilie bezahlen. Die ist ursprünglich aus Schwaben? Zumindest ist die Gastmutter nicht auf den Kopf gefallen und will im Monat für wenige Quadratmeter mehr als der Durchschnittsbürger im Jahr verdient. Kein Wunder also, dass da die erste schwäbische Kreditkarte am Automaten leidet und im Endeffekt den Dienst verweigert. Wenn man zwei Mal den Maximalbetrag der gesamten Bank abheben möchte, kommen eben Probleme auf.

4. Sprachkenntnisse 
Diese Probleme sind dann mit Händen und Füßen zu klären. (Bildungsauftrag) In Tansania werden nämlich über 120 Sprachen gesprochen. Im Gegensatz zu vielen anderen ehemaligen Kolonien ist das Englische über die Zeit der Unabhängigkeit des Landes unwichtiger geworden. Swahili ist also die Zunge der Zeit und damit muss man sich abfinden. Oder sich weigern und sauer werden. Im Alltag eines Journalisten, der für einen Swahili-TV-Sender arbeitet, bietet das viel Potential für Reibungspunkte. „Einmal übersetzten bitte …“

5. Festes Schuhwerk
Hin und wieder gibt es hier sogar so etwas wie Regen. Dann werden die unbefestigten Nebenstraßen in der Möchtegern-Hauptstadt noch unbefestigter. In schwachen Momenten frage ich mich, warum meine Dummheit Jordans mit in diese Plörre mitgenommen habe. Imprägniert hin oder her. Kickgame-Selbstmord, so wird das in Fachkreisen genannt. Da bleibt der Style auf der Strecke wie ein Nichtantizipierfähiger im Straßenverkehr.

6. Kulinarisch zurückstecken
Jaja, das liebe Essen. Es ist unfassbar billig, das muss man konstatieren. Das ist toll. Auf der Kehrseite ist es super schwer im neuen Großstadtdschungel um die Ecke kulinarisch Wertvolles zu finden. Da streikt der Magen gut und gerne ein paar Tage … hoffentlich keine Wochen … aber das kann man bei der vertrauenswürdigen Apotheke um die Ecke sofort bekämpfen. Darf man hier in der Öffentlichkeit trinken? Egal, billiges Hühnerfleisch ist auch was. Vor allem zusammen mit Ei und Pommes. Kurioses Gemenge, da sich bei dieser Mischung das Vorstadium des Tieres mit dem Endstadium zusammenfindet. Whimsical.

7. Eigeninitiative 
Schließt sich in der Logikkette an Punkt eins an, beißt sich aber mit Punkt vier. Wer seinen halben Arbeitstag auf facebook verbringt, der findet kaum Zeit an andere zu denken. Also an gut 4000 „Freunde“ denken kann man auf jeden Fall. Das steht außer Frage. Aber wenn sonst schon kaum sinnvolle Zeitvertreibe da sind, da gibt es für einen der-Sprache-nicht-mächtigen Deutschen wenig auf der Agenda. Dennoch gibt es hier einen kleinen Makel bei der Arbeitsbeschaffung. Wenn man überambitionierter Schwabe ist, dann muss man die übriggebliebenen Kleinigkeiten natürlich schneller abarbeiten als andere… allein schon der großen Klappe wegen. Für eigene Projekte bräuchte es Lobby, Übersetzer, lokales Wissen und Zeit. Eines davon habe ich. Die anderen Punkte bräuchten das ebenfalls. Nur für viel länger. Aber da sind die kommenden zehn Wochen auch wieder zu wenig.

8. AirCon-Resistenz 
Verlässt man die meist unbefestigten Nebenstraßen der Stadt und findet sich in einem Office wieder, läuft man zumeist beim Überqueren der Türschwelle gegen eine Wand. Auf der einen Seite geht es in die Eiszeit und in die andere Richtung in den Backofen. Das ist Balsam für die Atemwege und das Immunsystem. Insbesondere wenn man davor schon 30 Minuten durch den Straßenverkehr antizipiert und davon ganz außer Atem ist.

9. Gutes Buch 
Akzeptiert man, dass Punkt sieben effektiv fast nicht zu erreichen ist, braucht es Gegenmaßnahmen. Youtuber gibt es zwar viele, aber bei Zeiten fällt hier auch mal der Strom aus oder das Internet (ja, das gibt es hier im Pleistozän von Kwanza TV reichlich) findet keinen Zugriff. Da bleibt nur eins zum Zeittotschlagen: ein Buch. Leider habe ich gerade keines und die, die bei meiner Gastfamilie liegen sind alle auf Norwegisch (andere Geschichte). Somit speichere ich mir gesamte Websiten auf meinen PC und lese online Dokumentationen offline. „Supernatural“ ist übrigens eine fantastische Serie. Fängt die EM bald an? Bars gibt’s hier nämlich genug.

10. Uraltes Fußballtrikot 
Das gehört hier einfach dazu. Wenn man zur Arbeit kommt, auf der Straße antizipiert, Busse fährt oder einfach „Chillaxed“ braucht man ein ewig aus der Mode gekommenes Hemd einer vorzugsweise europäischen Fußballmannschaft. Ob man die Stadt geschweige denn die Spieler kennt, ist egal. Hauptsache man hat eines dieser Kleidungsstücke aus vergangenen Sportjahrzehnten. Leider bin ich noch auf keinen Markt bekommen, wo es solche Trikots zu kaufen gibt. Da bin ich mit meinem Mainz Trikot – wie so häufig in diesem Land – alleine auf weiter, weißer Flur. Aber das ist okay. Am Ende erkennt man mich eh. Ich sprinte nämlich beim Überqueren der Straße fast täglich.


Dienstag, 31. Mai 2016

++/--0: i DAR you!

Willkommen im echten Afrika! Daressalaam ist zwar keine offizielle Hauptstadt, aber eine afrikanische Metropole sondergleichen. Wie viele Einwohner die Küstenstadt am indischen Ozean hat – man weiß es nicht. Das Netz sagt um die 4,5 Millionen. Einheimische meinen, dass es schon mehr als 6 Millionen in Dar sind. Der Verkehr gibt allen recht. Das Chaos rund um Taxis, Busse, Radfahrer und wer sich sonst noch auf die Straße traut, ist unbeschreiblich. Da läuft man doch gerne 30 Minuten zu Fuß durch die halbe Stadt zur Arbeit. Da kann man nicht nur dem Verkehr aus dem Weg gehen (oder das zumindest versuchen). Da kann man sich auch besser an der Vielfalt der Menschen erfreuen, die das Stadtbild dieser Monsterstadt prägen. Swahilis, Pakistanis, Inder und zwischendrin ein paar Weißnasen wie ich schlängeln sich an Moscheen, Hochhäusern (manche fancy, andere abrissreif) und kleinen Shops, die überall zu finden sind und von Getränken über Rasierer eigentlich alles verkaufen, vorbei. Die Menschen sind im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern, die ich schon bereist habe, fast als schüchtern zu beschreiben. Während in Südafrika wildfremde Menschen auf dich zu rennen, um mit dir über Europa zu reden, gibt es hier (noch) keine aufdringlichen Geschichten zu erzählen. Gut, es ist meine erste Woche, aber wird wohl insgesamt mit der größeren Sprachbarriere zusammenhängen. Englisch ist hier, in der Mitte des Kontinents, nur bei den jungen Leuten zu finden oder bei denen, die länger in der Schule waren als der Durchschnitt.

Bei meiner Gastfamilie ist dies der Fall. Tochter und Sohn haben durch amerikanische Einflüsse sogar einen US-reifen Akzent. Mein Betreuer indes sticht mit dem süßen Ich-spreche-R-wie-L-aus-Akzent, der in Mittel-Ost-Afrika durchaus üblich ist. Kennen wir ja nur zu gut aus „Luanda“, dem kleinen Land mit den tausend Hügeln. Was ich noch nicht kannte ist das Kwanza.tv-Studio. Nachdem der neue tansanische Präsident nämlich in guter afrikanischer Staatschefsmanier erstmal einen Haufen an Gesetzen geändert hat, darf ich jetzt statt bei einer Zeitung im TV arbeiten. Den Sinn dahinter muss man auch erstmal nachvollziehen, aber das ist mit der Unmöglichkeit das Touristen-Visum zu verlängern nur die Spitze der kuriosen Dinge hier.

Kurios sind auch die Unterschiede, wenn man beispielsweise in einem versteckten Hochhaus in einer Nebenstraße für einen Medienbetrieb arbeitet. Während ich hier zeitweise sogar Videos streamen kann, streamed in der Toilette auf der anderen Seite vom Office relativ wenig. Da steht eine 54,0 Mbit/Sekunde einem ruhigen Örtchen ohne Ruhe geschweige denn Sitz gegenüber. Afrika halt – wo sich Zukunft und Vergangenheit so krass schneiden, dass einem die Worte fehlen. Insbesondere, wenn das TV-Studio sogar schalldicht ist und die Leute hier mit Premiere und auf MacBooks schneiden. Dafür kann die Sendung nicht live gesendet werden, da ein Funkturm fehlt. Der nächste ist einige Meter weg und eine Verbindung dahin gibt's schlicht nicht. Die 30-Minuten News, die täglich produziert werden, müssen dann vom Chef persönlich via Harddrive geliefert werden. Leider wird es meine Stimme auch nicht in die Sendung schaffen, da Swahili (obwohl auch nur Bantu-Sprache) mir irgendwie nicht wirklich liegt. Ah ja, mein Fingerabdruck ist jetzt in der Software der Sicherheitstüre integriert. Very very proud of that.

Apropos unwichtige News: Ich habe gerade 271 Mails abgerufen, da in Namibia, wie in Tansania geregelter Straßenverkehr, WLAN Fehlanzeige war. Drei Monate voller Spams und mein halber Arbeitstag ist rum. In der ersten Woche ist ein krasser Einstieg wie seinerzeit an einer Grundschule in Südafrika nicht gegeben. Nach dem Mails-Checken suche ich mir was zu essen in dem Nebenstraßenchaos, wo man achtstöckige Haushäuser kaum findet. Und noch was, das gerade meinen Tag flashed wie kein anderer tansanischer Taxifahrer und dessen Fahrstil jemals zuvor: Meine Chefin Maria Sarungi Tsehai hat 184k Gefolge auf einer Seite, auf der man nur kurz Meldungen abgeben kann. Das hat doch mal was. Da werde ich doch dezent nach einem S/O fragen. Davor muss ich aber was essen …


Mittwoch, 25. Mai 2016

+8: Die Wahrheit über Namibia

Der Aufenthalt im „Land der Tapferen” geht dem Ende zu. Somit wird es Zeit für ein Fazit. Jenes beinhaltet eine afrikanische Zeitung auf Deutsch, Analysen von Reiserouten und einen wichtige Sache, die ich dazugelernt habe. 

Eine Zeitung auf dem Weg in die digitale Welt 

Nach drei Monaten bei der „Allgemeinen Zeitung“ in Windhoek ist eines sicher: Mainstream ist das hier nicht. Schon zu Anfang fiel mir auf, dass die Layout-Gestaltung ihresgleichen sucht. Es gibt einigen Verbesserungsbedarf (Homepagedesign, CMS-System, social-media-Arbeit…), aber solange die deutsche Leserschaft weiterhin das Printprodukt ehrt wie in keinem anderen deutschsprachigen Absatzmarkt auf der Welt, ist die AZ save. Und trotz der Dinge, die hier noch verbessern werden müssen, kann ich ehrlich sagen, dass es Spaß gemacht hat durch die vielschichtigen Sportthemen zu hüpfen. Vom sauberen Boxen über verrückte Extremsportler mit Herz bis hin zu komischen Leibesübungen wie Polizeisport, Jukskei, Korbball und Rasenbowling. Langweilig wurde „jsi“ es dank Korruption (eine lokale Spezialität, können die Einheimischen hier wie aus dem Lehrbuch), satirischen Interviews, Unfairness, Trainer am Pranger und was der legendären News mehr sind, nie. Nachdem ich zwei Monate warten musste, wurde mir dann auch die Plattform youtube freigeschalten. Willkommen in der Zukunft! Meine Versuche auf twitter Gefolge zu finden scheiterte allerdings kläglich. Dennoch habe ich hin und wieder tatsächlich Leute getroffen, die meine Artikel gelesen haben. Das war cool. Ich schreibe jetzt auch viel schneller und finde leichter Einstiege in Artikel. Das ist auch cool. Ob sich meine Art und Weise zu schreiben verbessert hat, das dürfen andere Leute bewerten. 

Der afrikanische Süden: Touristische Reizüberflutung 

Klar, drei Monate sind eine kurze Zeit. Klar, die acht Monate in Südafrika waren eine bisschen längere Zeit. Trotzdem schafft man es einfach nicht alles hier unten mitzunehmen. Abhaken kann ich auf der Bucketlist doch noch ein paar Orte und Sanddünen. Swakopmund, das deutsche Örtchen an der kalten Küste zum Beispiel. Afrikanisches Flair kommt dort nie auf. Dafür sind auf Deutsch singende Luxemburger in Fischrestaurants einfach zu … zu … zu verrückt, um hierher zu gehören. Mit deutschen Reisegruppen nach
Botswana, Simbabwe und in die dazugehörigen Nationalparks zu reisen ist nur mit einer Begleitperson möglich. Alleine? Lieber nicht. Zu … zu … zu gefährlich. Man könnte sich ja am Humor der Mitreisenden stören. Einfach mal die Klappe halten – das Motto. Geschickte Überleitung. Bei wildem Seegang auf dem Atlantik auch besser mal auf Macho-Sprüche verzichten. Es könnte chinesische Übelkeit hageln. 
Dies, das, Delfine
Da verpasst man glatt Babydelfine. Die Tierwelt ist hier unten eh fantastisch. Da gibt es sogar ohne wilde Leoparden nichts zu meckern. Landschaften sind ebenfalls zu vielfältig, um sie in Worte zu fassen. Manchmal geling das in Bildern. Eine weitere Reise nach hier unten, kann ich indes nicht ausschließen. 

Medizinmänner im Liquor Store 

Wenn man so eine Reise tut, muss man ohne Frage vorbereitet sein. Medizinisch wie kulturell. Zum Glück wurde ich auf meinem Weg zur Hochzeit im namibischen Norden in Beidem geleh/e/rt, belehrt, ??? diesdas hat mir jemand des gezeigt, weisch? Unsere Reisegruppe bestand aus vielen Bevölkerungsschichten und kulturellen Diversifikationen. Nur in einem Punkt waren wir uns einig. Medizin für die Reise gibt es nur beim Getränkehändler. Was ein Zufall, dass das Bier in diesem Jahr irgendwie seinen 500. Geburtstag feiert. Gibt es bessere Heilungsverfahren als ein „Tafel Lager“? Nein, obwohl die Nebenwirkungen einschneidend sein können. Aber da muss man durch, wenn man Traditionelles in Afrika erleben will. Wieder was gelernt. Tansania steht an. Es bleibt spannend…


Freitag, 20. Mai 2016

+7: Etoscha-Park/Okambara Elephant Lodge

Mal wieder bediene ich hier niedere journalistische Triebe und poste stumpf Bilder. Unter den knapp 30 Pictures sind Impressionen aus der Okamabara Lodge und dem Etoscha Nationalpark. Was ich dazu sagen muss: Zoo-Tiere sind schon unansehnlich, aber „wilde“ Geparden, die genau wissen wie viel Essen sie bekommen, stehen dem in nichts nach. Löwen zu streicheln ist cool, aber irgendwie auch falsch. Das bleibt allerdings auch der einzige negative Punkt … genug geschrieben. Bilder:

















Donnerstag, 12. Mai 2016

+6: Eine Hommage an “Manchester United MacGyver“









Lieber Manchester,

wir kennen uns nicht… also besser gesagt: Du kennst mich nicht und ich kenne dich nur aus den Nachrichten. Und ich möchte dir gerne einen Blog-Artikel widmen, auch wenn ich es hasse über Menschen zu schreiben, die jünger sind als ich. Im Grunde möchte ich deinen Eltern schreiben und nicht dir. Aber ich fange mal lieber ganz von vorne an. 

Quelle: The Sun - Under-20s gear up for Zonal Games
Vor Wochen schrieb ich einen Spielbericht über den Newspaper Cup (AZ.Sport - Oshana-Team jubelt in Rundu) und war plötzlich völlig von der Rolle. “Manchester United MacGyver flankt präzise auf den Kopf seines Mitspielers“. Sofort stieg Verwirrung in mir auf. Was hat Manchester United mit dem wichtigsten Nachwuchsturnier im namibischen Fußball zu tun? Und viel wichtiger: Wer zum Henker ist MacGyver? Aber man klärte mich auf … das bist du. Dein voller Geburtsname ist tatsächlich Manchester United MacGyver, das Gesetz hier unten macht’s möglich. Es gibt so viel, was ich dich jetzt fragen möchte:
  1. Weißt du, wo Manchester ist? 
  2. Sind beide Elternteile von dir United Fans oder Serien-Nerds?
  3. Hast du im Vergleich zu mir schon einmal MacGyver geschaut? 
  4. Wenn ja, ist er dein Vorbild oder ist es ein Spieler von ManUdt? 
  5. Hast du einen Spitznamen? 
  6. Wie heißen deine Geschwister? 1899 TSG Hoffenheim Schwarzenegger? Glasgow Rangers Bear Grylls? TV Bremen-Walle 1875 Les Stroud? 
  7. Sind dir diese schlechten Wortspiele schon oft begegnet? 
  8. Wie wirst du deine Kinder nennen?
  9. Was steht auf deinem Trikot für ein Kürzel? 
  10. Hat bei Klausuren der Platz beim Namen gereicht? 
  11. Schon mal über eine Filmkarriere nachgedacht? 
Quelle: etanga - 2016 U20 Namibian Newspaper Cups Squads
Du wirst das hier wohl niemals lesen, aber ich benutze diesen Text auch nur, um mir die Schuldgefühle vom Herzen zu schreiben. Lieber Manchester, alle doofen Wortspiele tun mir leid. Ein bisschen zumindest. Auf der anderen Seite bist du ein willkommener Joke in der Sportredaktion der AZ. Kein Klassiker wie „Niaaa, Riann, Niiaaaaa!“ oder „Dördoleidus“, aber du bist unter den Top-10. Das wollte ich nur mal gesagt haben und ich hoffe, dass deine Fußballkarriere besser verläuft als meine in Namibia. Falls es doch nicht klappt, Filme über Überlebenskünstler sind immer gefragt.


MfG

FSV Mainz 05 Two and a Half Men Half Amazing


Dienstag, 12. April 2016

+5: 9 Tage Delta & Vic Falls

Ich habe gelesen, dass einige Menschen selbst Twitter für "wortlastig" halten und Bilder immer besser ankommen als alles andere. Somit werde ich diesen Post jenen Kriterien anpassen und die Reise Windhoek, Delta, Chobe, Victoria Falls durch Bilder beschreiben. Vor allem meine Leser ohne Facebook ("Hallo Mama", "Hallo Papa") werden dies hoffentlich zu schätzen wissen. Weiterhin werde ich ein altbekanntes Mittel zurückholen und den Post mit den altbekannten und heiß geliebten „Random Notes“ abschließen.


Soll man zur Beute werden, wie viel besser, dem Löwen zuzufallen als dem Wolf. 

SPLASH!

Was man sich als Touri nicht alles antut

Ein Bauer ohne Büffel ist wie ein Kaufmann ohne Kapital.

Das ist doch mal ein schönes Bild

"Zebras sind Esel für Arme nur in schön."

"Vögel sind für Nerds!"

Mein Lieblingsbaum

Die Fälle von unten: Auch ansehnlich, aber nasser

Im Einklang mit der Natur - das ist die wahre Definition von Nachhaltigkeit

Wahrhafte Führer werden kaum verspürt?

"Impalas sind für Nerds, die schlimmer sind als Volgel-Nerds."

Okavango Delta im Mokoro

Bildgestaltung 1 lässt grüßen


Beispielbild: schöne Lodge 2

... mit einer Schleuder... 

... und auf komisch arrangierten Straßennamen. 

Windhoek mal ausnhamsweise in schön


Random Notes:
- Inka reagiert beim Einreisen in Diktaturen allergisch

- Nicht die Küche macht das Essen, sondern der Koch

- Ein Buch kann fesselnder sein als Game Drive mit Löwen

- „Tomorrow is another day“

- Ein englisches Warzenschwein namens Phillip

- Reis kann kaputte Kameras retten

- Das Okavango Delta ist flach wie meine Witze

- In Rundu werden Lodges auch mal überflutet

- Frage der Woche: Wo lädt ein Bushman sein Handy auf? Wie heißt er auf Twitter?

- „Tomorrow is another day“

- “Welche Aktivität wollt ihr heute machen?” „Drei!“

- Simbabwe ist eine Diktatur und ich hielt meinen inneren Jan Böhmermann in mir zurück als ich dieses Land besuchte

- „We got to keep going“

- Amerikaner wissen alles

- Vokabel-Test: Gibt es das Wort „nasser“? Wird es durch die Victoria Falls definiert?

- „Tomorrow is another day“

- Dieser Moment, wenn ein deutsche Touristen an der Grenze zu Botswana plötzlich Setswana sprechen können

- James Milner und Steve Gerrard

- Mein Versuch Milliardär zu werden scheiterte an 1 US $

- Eine Spiegelreflex macht dich zwar zum Hipster, aber nicht zum Peter Lik

- Gin und Tonic hilft gegen alles

- „Tomorrow is another day“


Montag, 28. März 2016

+4: The Executioner – der boxende Taxifahrer

… das Leben eines Schwaben in Namibia könnte so einfach sein… 

Essen, Klamotten, Transportwesen, Reisen, Unterkünfte – alles super billig! Für uns süße Schnäppchen-Suchende aus dem Süden ein wahres Paradies. Aber die Bausparvertrag-ist-das-wichtigste-Lebenseinstellung kann durchaus seine Nachteile haben. Da fängt man an nach Taxifahrten „einmal quer durch die Stadt“ für umgerechnet 1,50 Euro um den Preis zu feilschen. Läden in der Mall, die annährend europäische Billig-Preise anbieten, meidet der gemeine Süddeutsche und sucht nach DEM SCHNÄPPCHEN. Da ist dem gewöhnlichen Schwaben kein Mittel zu schade. Wer den namibischen Dollar nicht ehrt, der ist auch richtiges Geld nicht wert.

Meine erbsenzählerische Strategie werde ich nach diesem Wochenende aber gehörig überdenken. Die innere, geizige Maultasche in mir muss ich schnellstmöglich loswerden. In der Hauptstadt Namibias treibt nämlich ein Henker sein Unwesen. Frei nach Midnight Meat Train fährt der Executioner im Taxi seine Runden durch die Stadt. Wenn er damit fertig ist, schlägt Walter Kautondokwa in der ersten Runde von Boxkämpfen Gegner KO. Der gute Walter ist nämlich ein ganz einzigartiger Zeitgenosse: ein taxifahrender Profi-Boxer. Sein Kampfrekord: 11 Kämpfe, 11 Siege, 8 durch KO. Da sind schon erfahrenere Feilscher als ich untergegangen.

Unser erstes Treffen kurz chronologisch zusammengefasst:

… Vorhang auf …

Venue: Windhoek Country Club

Anlass: 26th Independence Celebration der Boxing und Fitness Akademie „Sunshine Production” am 26.03.2016

Das Bühnenbild zeigt einen Raum, in dessen Mitte ein Boxring steht. Um den Ring Stühle und Tische mit – zumeist schwarzen – Zuschauern. Ein paar weiße Gesichter lassen sich ebenfalls blicken. Auch die High Society ist dabei: Diplomaten, Promoter, Luder (darf man das so schreiben? Oder heißt es „zwischen-den-Runden-unnötig-hochhaltende-Schilder-Frau“), Sportler, Mafiosos und was der Boxfans mehr sind.

Uhrzeit: 20:57 Uhr

Felix Mwamaso im Nirvana, oder
besser: Dieser Moment, wenn du am
Ostermontag arbeiten musst. 
Felix Mwamaso schlägt krachend auf die Knie. Verwirrt, verdattert, sein Blick verloren. Der Henker blickt ihn nur kurz an, bevor ihn der Ringrichter in seine Ecke schickt. Mwamaso, Profi-Boxer aus Malawi, hinterfragt in diesen Sekunden gerade seinen Traumjob „bisschen Profiboxen und so“. Der Referee fragt ihn währenddessen wie viele Finger er ihn die Luft reckt. Felix errät die richtige Anzahl und gewinnt mit dieser korrekten Antwort weitere laaaaaange Augenblicke, in denen er gegen Walter Kautondokwa in Deckung gehen muss. Ein paar Sekunden- bzw. Boxschläge später prallt Mwamaso wieder scherzhaft auf die harten Bretter des Rings.

Unverhandelbar: The Executioner bei der Arbeit
Schrecklich, schwach, sein Blick schockiert. Nach zwei Minuten und 19 Sekunden in der ersten
Runde ist der Arbeitstag der beiden Athleten vorbei. Der Henker richtet zum elften Mal im elften Kampf seinen Gegner fast zu Tode. Der Country Club bebt. Das Publikum huldigt seinen Henker mit Wonne. Mittelgewichtler Walter „The Executioner“ Kautondokwa macht seinem Namen in diesen Momenten alle Ehre. Der Richter und sein Henker? Kautondokwa ist heute beides in einer Person. Einen Kampf gab es nicht. Es war lediglich ein Scharfrichter, der seine Arbeit grundsolide und ohne zu zögern ausführt. Hände nach oben, Applaus für den Sieger. Ein kurzes Lächeln umspielt seine harten, kantigen Gesichtszüge, bevor der Executioner wieder unverhandelbar wirkt.


Des Todes: Mwamasos letzter, flehender Blick gen Himmel

Uhrzeit: 21:00 Uhr

Ein bleicher, weißer Fotograf kratzt sich am Kopf. „Hat er ein Taxameter?“, denkt sich der Schwabe kopfschüttelnd. Um ihn herum tobt die Menge und feiert ihren namibischen Box-Henker. „Jetzt lachen sie noch“, sinniert der Süddeutsche. „Die sind wohl noch nie in seinem Taxi gelandet.“

… Einschub …
Zu Boden gebracht: Herausforderer hat Allan Kamote (TAN)  gegen Blue Machine Indongo (NAM) wenig Chancen
Ganz ehrlich, wie soll man entspannt in einem Taxi fahren, das von einem Henker gefahren wird. Einem boxenden Henker noch dazu! Die Verkehrssituation hier in den Untiefen des Linksverkehrs ist eh schon unüberschaubar. Wer wirklich einen Führerschein hat, verrät dir jetzt das Licht! Bis dato habe ich persönlich alle Fahrten mit den Taxen (Privatautos mit irgendwelchen Personen drin. Weit weg von TÜV und Personenbeförderungsschein) überlebt. … ABER … man stelle sich vor man landet im Taxi von Walter Kautondokwa – hauptberuflich Henker. Was soll man tun?

… die Analyse der Ausweglosigkeit …

Du steigst ein. Du erkennst deinen Henker. Was nun?
  • Steigst du aus, machst du dich a) lächerlich („Was ist das für ein Typ? Steigt ein und wieder aus … peinlich“) und/oder b) der Executioner wird sauer, weil ihm sein Geschäft durch die Lappen geht. Dann kann es gut sein, dass er, nachdem du ausgestiegen bist, seinem Hauptberuf nachgeht und dir gehörig eins auf den Deckel gibt. Fazit: schlechte Chancen für Normalsterbliche
  • Du sagst ihm wo du hin willst. So ungefähr. Nicht die genaue Adresse, weil sonst weiß er, wo dein Haus wohnt. Das möchtest du auch nicht. Er fährt und du sagst keinen Ton. Jede falsche Bemerkung könnte er gegen dich verwenden – psychisch wie physisch. Angekommen, fragst du ihn höflichst nach dem Preis und auch wenn dieser viel zu hoch (auf schwäbisch: n paar Cent mehr) ist, bezahlst du ohne Murren. Fazit: sehr erfolgversprechend, allerdings muss man vom Ausstiegspunkt noch nach Hause laufen
  • Pffff, ein dummer Boxer! Den steckst du rhetorisch und mit mehr Gehirnzellen ausgestattet in die Intellektuelle-Tasche. Du redest ihn in Grund und Boden. Erklärst ihm die neusten Techniken seines eigenen Sports und gibst dich als Experten aus. Boxen wurde damals in Europa erfunden – das macht dich zum Chef! Er Nichts! Vor deinem Gate angekommen wirfst du ihm seine 20 Tacken hin und machst dich schnell auf den Weg nach drinnen. Fazit: du bist angekommen. Glückwunsch! Ziel ist vorerst erreicht. Verfolgungswahn könnte allerdings folgen.
  • Du benimmst dich wie ein waschechter Gauner. Ein Schwabe sondergleichen, wenn man so will. Dein Englisch schmückst du mit unübersetzbaren Ausdrücken wie „Everybody does as he pleases“ oder „What’s goes?!“. Am Ende bleibt dir nichts anderes übrig als dich über den Preis der Fahrt zu beschweren. Dann heißt es: Round 1, Fight! Fazit: Das ist ein richtiger Badass-Move, der viel Positives birgt. Du bekommst die Chance – im wahrsten Sinne des Wortes – um den Preis zu kämpfen. Kannst du der Erste sein? Kannst du den Henker schlagen?
  • Ein netter Plausch hat noch keinem geschadet, denkst du dir. Man sollte auch Henkern mit gewissem Respekt begegnen. Ein guter Vorsatz. Du bemerkst, dass der Walter doch nicht ein solches Monstrum ist. Genial, ein neuer Freund, der dich auch mal im Township beschützen kann. Aber das Fazit bleibt negativ behaftet: Klasse! Du findest einen neuen Freund, aber das ist mit enormen Pflichten verbunden. Willst du wirklich der Trainingseinladung nachgehen? Kannst du dich mit deinen neuen Freunden bei Barschlägereien behaupten?

… Zusammenfassung …

Es lässt sich sagen, dass der boxende Taxifahrer eine ernstzunehmende Gefahr für den Schwaben darstellt. Fast so schlimm wie spontane Preisstürze, auf die man sich nicht richtig vorbereiten kann. Wer kennt das Gefühl nicht, wenn man tags zuvor einen Schlussverkauf verballert hat und Gerda und Herbert aus Westerheim im Bus zur Arbeit von „70% und mehr“ schwärmen? Man fühlt sich verfolgt. Schaut in jede Gasse, um dort einen Flohmarkt zu finden. Schnäppchenangebote verfolgen dich im Schlaf. So geht es mir, wenn ich in dieser Stadt nach einem Taxi Ausschau halte. Überall sehe ich Walter Kautondokwa. Wahlweise mit Boxhandschuhen oder mit Fleischerhaken. Ich habe wohl nur eine Chance meine Situation zu verbessern. Ich muss mich dem „Executioner“ stellen und den Fluch bekämpfen oder Schnäppchen finden, die so billig sind, dass ich bei der nächsten Fahrt nicht das Verlangen nach Preisverhandlungen habe.

Ende


Mittwoch, 16. März 2016

+3: Für 45 Minuten erstklassig

In meiner Zeit auf diesem wunderschönen Kontinent musste ich schon einige Rückschläge hinnehmen. Die Schlappe von gestern zählt mit zu den größten Pleiten und bedeutet das Ende eines Lebenstraums von mir. Immerhin kann ich mir 45 Minuten erstklassigen Fußball aufs Resümee schreiben, aber das ist nur ein kleiner Trost. 

Von Anfang an: Als Ulmer-Fußballfan wünscht man sich nichts sehnlicher als an die guten alten Zeiten anzuknüpfen. Erstklassigkeit – das Wort aus dem Träume gemacht sind. Nur sieht es für die Kicker aus der Donaustadt aktuell nicht wirklich nach Oberhaus aus. Zwar geht es bergauf, aber ganz oben ist gegenwartsnah unerreichbar. Da muss man als Fan ganz egoistisch sein und selbst für Abhilfe sorgen. Umso mehr ging mir das Sportlerherz auf, als sich mir die Chance auf Erstklassigkeit bot. Die Orlando Pirates, aktuell Tabellendritter in der namibischen Fußball Premier League, ließen sich nicht bitten und luden mich zum Probetraining ein. Mit brandneuen Nike Schuhen im Gepäck machte ich mich auf ins Sam Nujoma Stadion, das im Stadtteil Katutura (historisch bekannt als ein ehemaliges Township, das in den 1950er Jahren im Rahmen der südafrikanischen Apartheidspolitik entstanden ist) liegt. Townshipflair vermittelte auch der Taxifahrer, mit dem ich mich noch wegen des Weges zum Stadion stritt. Er auf seiner, ich auf meiner Sprache. Vereint in Unwissenheit, da wir beide den Weg zum Stadion nicht kannten. #Berg

Endlich angekommen ging es auch gleich zur Sache. Kurzes Aufwärmen und dann 9 gegen 9 „high intensity“. Natürlich ignorierten mich die anderen 17 ballverliebten Schwarzafrikaner auf der linken Außenbahn. Bekam ich mal die Pille tunnelte ich souverän, spielte durchaus tödliche Pässe und lupfte den Ball aus 30 Metern gefährlich in Richtung Kasten. In den letzten Sekunden des Spiels klärte der verdammte Abwehrspieler meinen Traumtorversuch auf der Linie. Abpfiff, Trainingsende, 45 Minuten auf Premier League Niveau mitgehalten.

Die Ernüchterung folgte Augenblicke später. Der Knöchel am rechten Fuß dick wie ein Baseball. Humpeln als einzige Fortbewegungsmöglichkeit. Das Umknicken ohne Gegnereinwirkung aus dem ersten Abschnitt des Spiels, ich hielt es für rausgelaufen, hat meine Außenbänder doch wieder in Mitleidenschaft gezogen. Die alte Schwachstelle macht mir also wieder zu schaffen und die niederschmetternde Diagnose lautet Bänderanriss. Das erste Training in der Premier League bleibt auch das letzte Übungsprogramm der Erstklassigkeit.


Wer mich kennt, der weiß, dass ich eine Sache hasse wie die Pest: verlieren. Egal in was ich unterlegen bin, es macht mich verrückt. Sport, Brettspiele, Tippen von Ergebnissen, Quizduells und was der Dinge, in denen man verlieren kann mehr sind. Ich kann das nicht ab! Jetzt muss ich mir vorwerfen lassen, dass ich gegen mich selbst und mein Ego verloren habe. Ich war sicher, dass ich die Herausforderung (Halb)„Profi“-Sport meistern kann. Ich dachte, dass Fußball mir und meinen geschundenen Bändern mehr entgegenkommt. Ich glaubte, dass mein Streben nach sportlichen Höchstleistungen hier unten in Afrika richtig Fahrt aufnehmen könnte. Jetzt muss ich damit klarkommen, dass das eben nicht der Fall ist.

Manche Menschen sagen jetzt zu mir: „Hey, ich hab’s dir schon immer gesagt. Hättest es mal gelassen“ Das zählt aber für mich und meinen Charakter nicht. Erfahrungswerte sammelst du selbst, du bekommst sie nicht vermittelt. Zum vierten Mal in meinem Leben sitze ich deswegen mehr als zu laufen und schaue gequält durch die Gegend, während unten am Knöchel jeder Herzschlag zu spüren ist. Insbesondere wenn man in einer Sportredaktion arbeitet, ist es mental sehr enttäuschend verletzt zu sein. Besonders Nachdruck verleiht die Tatsache, dass man über die Menschen berichtet mit denen man gestern noch trainiert hat. Das ist bitter.

Nun sollte man einen solch betrüblichen Blogeintrag mit etwas Positivem abschließen. Dementsprechend blicke ich voraus auf eine Reiseroute, die sich gewaschen hat: Okavango Delta und Victoria Falls stehen für Anfang April auf dem Programm. Bis dahin sollte ich wieder einigermaßen laufen können. Wegen „wenn ‘s schlecht läuft, dann läuft ‘s schlecht“ muss ich hingegen damit enden, dass sich mein Retainer (dieses kieferorthopädische „Meisterwerk“) wieder einmal vom Unterkiefer löst und ich in naher Zukunft deswegen einen Zahnarzt aufsuchen muss. In diesem Sinne … !!11!11!!!


Donnerstag, 10. März 2016

Gesucht: junger Torhüter mit Weltformat

(Quelle: NamibiaFootballAssociation) 

Walvis Bay/Windhoek (jsi) – Als Interimstrainer hast du es nicht leicht. Du musst den Job von deinem Coach - der Vorgesetzte, den du dich in keiner Weise zu hinterfragen traust – übernehmen. Du darfst aber auch nichts selbst machen. Man ist ja nur vorübergehend da. In einem solchen Chaos der Gefühle kann man schon mal wichtige Dinge vergessen. Insbesondere wenn man in einer Großstadt wie Windhoek wohnt. Einer Stadt in der das Nachtleben pulsiert wie auf einer Piazza auf dem Gottmadinger Wochenmarkt.

Kein Wunder also, dass die Kaderplanung für das seit Monaten angekündigte U-17 Nachwuchsturnier leicht aus den Fugen geraten ist. Das Vier-Nationenturnier ist DER Ort für Nachwuchstalente, aber der namibische Verband hat ein Problem. Für die Duelle gegen Ghana, Südafrika und die Landesauswahl aus Nordrhein-Westfalen (AZ berichtete) fehlt eine klitzekleine Wenigkeit: ein TORHÜTER!!!11!!111! „Das darf doch nicht wahr sein“, dachte sich Übergangslösung Timo Tjongarero bei seiner fünfundzwanzigsten Einheit. „Ich habe ja gar keinen Goalie.“ Nüchtern betrachtet muss man froh sein über das geballte Fußballwissen und die schnelle Auffassungsgabe von Coach Tjongarero.

Der afrikanische Fußballer ist ja seit je her selbstverliebt, achtet nur auf sich, den Ball und seine glänzenden Schuhe. Platz für andere Dinge als das nächste große Mega-Lionel-Ronaldo-Messi-Ibrahimović-Heiko-Westermann-Dribbling bleibt nicht. Der Eigensinn als Lebenssinn. Nach der einhundertundelften Session im Training blickte Tjongarero auf - so sagen es zumindest Quellen der AZ - und, von der Sonne geblendet, wendete er sich dem Freundschaftsspiel seines Teams beim Spielstand von 12:11 in der vierten Minute kurz ab. Der Schreck! Hinter seiner Abwehrreihe, ganz fern, weit weit weg in den Untiefen des satt-grünen Kunstrasens sah er es: das leere Tor. Hektisch blättert der Fußballguru in seinen Aufschrieben. Panisch ruft er seine Staff-Members zusammen. Teampsychologe, Chefkoch, Biokinetiker, Physiotherapeut, Psychologe des Chefkochs, Social-Media-Experte, Wasserträger des Biokinetikers, Medienrechtsprofessor, IT-Organisator und der Social-Media-Experte des Psychologen des Chefkochs eilen herbei. Aber keiner weiß wo, geschweige denn was ein Torhüter ist. Fieberhaft wird diskutiert, während die Mannschaft auf dem Feld das 112:178 bejubelt (Torschütze #9 Uiseb Terdius, Minute 8). Einer findet die Kaderplanung. Spieler mit dem Kürzel „TW“ gibt es nicht. Das Trikot mit der Nummer 1 ist auch nicht vergeben.

Kurz vor dem größten Turnier des Jahres der Eklat beim U-17 Team, das liebevoll „Baby Warriors“ genannt wird. Keiner kann das Tor hüten und keiner hat „ganz ehrlich“ Bock drauf. Die Devise nach der sekundenlagen Diskussion: der Chefkoch soll eine Pressemitteilung rausschicken. Alle Medienvertreter sollen die Nachricht vom torhüterlosen Kader bekommen. Vielleicht gibt es ja draußen in der Welt der deutschsprachigen Namibier einen Oliver Khan. Der Medienrechtsprofessor des Wasserträgers hat den Zugang zur nationalen Website der Fußball Föderation. Auch hier soll der Aufruf rein. Alles inklusive der Handynummer des „Youth Team Coordinators“, falls jemand einen Torhüter durch die Stadt laufen sieht und diesen von der Straße holen will. (Ein Aufruf auch von meiner Seite: falls jemand einen Torwart mit namibischem Pass erkennt, am besten noch Jahrgang 2000 oder jünger, meldet euch umgehend bei Jakes ‘Hunter‘ Amaning Tel. +264 8124 02 404)

Es ist ja noch ein bisschen Zeit bevor das wichtigste Turnier in diesem Kalenderjahr stattfindet. Am Unabhängigkeitswochenende (19. bis 24. März) ist das Vier-Nationen-Turnier angesetzt. Vielleicht findet das Team bis dahin ja noch einen Wärter des Kastens. Ob es ihnen zu gönnen wäre, bleibt eine andere Frage.


Donnerstag, 3. März 2016

Kakteen klauen Windhoeks Einwohnern Wasser

Quelle: Republikein (Maandag | 29 Februarie 2016)
Windhoek (jsi) – Während die Bewohner Windhoeks kaum gegen die Wasserknappheit kämpfen, nehmen die lokalen Kaktuspflanzen die Chance wahr und saugen das Wasser unter ihre Fittiche. Insbesondere im Stadtteil Eros, der am Rande der Erosberge liegt, ist die Dürre in den Knochen zu spüren. Trotz Warnung einiger Anwohner lässt der Großteil der Bevölkerung dem grünen Untreiben freien Lauf. Experten befürchten, dass es weitreichende Konsequenzen geben könnte, wenn nicht jeder den Kaktus sofort an der Wurzel packt und sich zudem mit dem Wasserkonsum am Riemen des Wasserhahns reißt.


Die Vorgeschichte:
AZ - Kakteen gerodet (2016-02-09)
AZ - Kampf gegen nicht heimische Kakteen (2016-01-12)
AZ - Die fremden Invasoren (2015-12-01)