Montag, 28. März 2016

+4: The Executioner – der boxende Taxifahrer

das Leben eines Schwaben in Namibia könnte so einfach sein… 

Essen, Klamotten, Transportwesen, Reisen, Unterkünfte – alles super billig! Für uns süße Schnäppchen-Suchende aus dem Süden ein wahres Paradies. Aber die Bausparvertrag-ist-das-wichtigste-Lebenseinstellung kann durchaus seine Nachteile haben. Da fängt man an nach Taxifahrten „einmal quer durch die Stadt“ für umgerechnet 1,50 Euro um den Preis zu feilschen. Läden in der Mall, die annährend europäische Billig-Preise anbieten, meidet der gemeine Süddeutsche und sucht nach DEM SCHNÄPPCHEN. Da ist dem gewöhnlichen Schwaben kein Mittel zu schade. Wer den namibischen Dollar nicht ehrt, der ist auch richtiges Geld nicht wert.

Meine erbsenzählerische Strategie werde ich nach diesem Wochenende aber gehörig überdenken. Die innere, geizige Maultasche in mir muss ich schnellstmöglich loswerden. In der Hauptstadt Namibias treibt nämlich ein Henker sein Unwesen. Frei nach Midnight Meat Train fährt der Executioner im Taxi seine Runden durch die Stadt. Wenn er damit fertig ist, schlägt Walter Kautondokwa in der ersten Runde von Boxkämpfen Gegner KO. Der gute Walter ist nämlich ein ganz einzigartiger Zeitgenosse: ein taxifahrender Profi-Boxer. Sein Kampfrekord: 11 Kämpfe, 11 Siege, 8 durch KO. Da sind schon erfahrenere Feilscher als ich untergegangen.

Unser erstes Treffen kurz chronologisch zusammengefasst:

… Vorhang auf …

Venue: Windhoek Country Club

Anlass: 26th Independence Celebration der Boxing und Fitness Akademie „Sunshine Production” am 26.03.2016

Das Bühnenbild zeigt einen Raum, in dessen Mitte ein Boxring steht. Um den Ring Stühle und Tische mit – zumeist schwarzen – Zuschauern. Ein paar weiße Gesichter lassen sich ebenfalls blicken. Auch die High Society ist dabei: Diplomaten, Promoter, Luder (darf man das so schreiben? Oder heißt es „zwischen-den-Runden-unnötig-hochhaltende-Schilder-Frau“), Sportler, Mafiosos und was der Boxfans mehr sind.

Uhrzeit: 20:57 Uhr

Felix Mwamaso im Nirvana, oder
besser: Dieser Moment, wenn du am
Ostermontag arbeiten musst. 
Felix Mwamaso schlägt krachend auf die Knie. Verwirrt, verdattert, sein Blick verloren. Der Henker blickt ihn nur kurz an, bevor ihn der Ringrichter in seine Ecke schickt. Mwamaso, Profi-Boxer aus Malawi, hinterfragt in diesen Sekunden gerade seinen Traumjob „bisschen Profiboxen und so“. Der Referee fragt ihn währenddessen wie viele Finger er ihn die Luft reckt. Felix errät die richtige Anzahl und gewinnt mit dieser korrekten Antwort weitere laaaaaange Augenblicke, in denen er gegen Walter Kautondokwa in Deckung gehen muss. Ein paar Sekunden- bzw. Boxschläge später prallt Mwamaso wieder scherzhaft auf die harten Bretter des Rings.

Unverhandelbar: The Executioner bei der Arbeit
Schrecklich, schwach, sein Blick schockiert. Nach zwei Minuten und 19 Sekunden in der ersten
Runde ist der Arbeitstag der beiden Athleten vorbei. Der Henker richtet zum elften Mal im elften Kampf seinen Gegner fast zu Tode. Der Country Club bebt. Das Publikum huldigt seinen Henker mit Wonne. Mittelgewichtler Walter „The Executioner“ Kautondokwa macht seinem Namen in diesen Momenten alle Ehre. Der Richter und sein Henker? Kautondokwa ist heute beides in einer Person. Einen Kampf gab es nicht. Es war lediglich ein Scharfrichter, der seine Arbeit grundsolide und ohne zu zögern ausführt. Hände nach oben, Applaus für den Sieger. Ein kurzes Lächeln umspielt seine harten, kantigen Gesichtszüge, bevor der Executioner wieder unverhandelbar wirkt.


Des Todes: Mwamasos letzter, flehender Blick gen Himmel

Uhrzeit: 21:00 Uhr

Ein bleicher, weißer Fotograf kratzt sich am Kopf. „Hat er ein Taxameter?“, denkt sich der Schwabe kopfschüttelnd. Um ihn herum tobt die Menge und feiert ihren namibischen Box-Henker. „Jetzt lachen sie noch“, sinniert der Süddeutsche. „Die sind wohl noch nie in seinem Taxi gelandet.“

… Einschub …
Zu Boden gebracht: Herausforderer hat Allan Kamote (TAN)  gegen Blue Machine Indongo (NAM) wenig Chancen
Ganz ehrlich, wie soll man entspannt in einem Taxi fahren, das von einem Henker gefahren wird. Einem boxenden Henker noch dazu! Die Verkehrssituation hier in den Untiefen des Linksverkehrs ist eh schon unüberschaubar. Wer wirklich einen Führerschein hat, verrät dir jetzt das Licht! Bis dato habe ich persönlich alle Fahrten mit den Taxen (Privatautos mit irgendwelchen Personen drin. Weit weg von TÜV und Personenbeförderungsschein) überlebt. … ABER … man stelle sich vor man landet im Taxi von Walter Kautondokwa – hauptberuflich Henker. Was soll man tun?

… die Analyse der Ausweglosigkeit …

Du steigst ein. Du erkennst deinen Henker. Was nun?
  • Steigst du aus, machst du dich a) lächerlich („Was ist das für ein Typ? Steigt ein und wieder aus … peinlich“) und/oder b) der Executioner wird sauer, weil ihm sein Geschäft durch die Lappen geht. Dann kann es gut sein, dass er, nachdem du ausgestiegen bist, seinem Hauptberuf nachgeht und dir gehörig eins auf den Deckel gibt. Fazit: schlechte Chancen für Normalsterbliche
  • Du sagst ihm wo du hin willst. So ungefähr. Nicht die genaue Adresse, weil sonst weiß er, wo dein Haus wohnt. Das möchtest du auch nicht. Er fährt und du sagst keinen Ton. Jede falsche Bemerkung könnte er gegen dich verwenden – psychisch wie physisch. Angekommen, fragst du ihn höflichst nach dem Preis und auch wenn dieser viel zu hoch (auf schwäbisch: n paar Cent mehr) ist, bezahlst du ohne Murren. Fazit: sehr erfolgversprechend, allerdings muss man vom Ausstiegspunkt noch nach Hause laufen
  • Pffff, ein dummer Boxer! Den steckst du rhetorisch und mit mehr Gehirnzellen ausgestattet in die Intellektuelle-Tasche. Du redest ihn in Grund und Boden. Erklärst ihm die neusten Techniken seines eigenen Sports und gibst dich als Experten aus. Boxen wurde damals in Europa erfunden – das macht dich zum Chef! Er Nichts! Vor deinem Gate angekommen wirfst du ihm seine 20 Tacken hin und machst dich schnell auf den Weg nach drinnen. Fazit: du bist angekommen. Glückwunsch! Ziel ist vorerst erreicht. Verfolgungswahn könnte allerdings folgen.
  • Du benimmst dich wie ein waschechter Gauner. Ein Schwabe sondergleichen, wenn man so will. Dein Englisch schmückst du mit unübersetzbaren Ausdrücken wie „Everybody does as he pleases“ oder „What’s goes?!“. Am Ende bleibt dir nichts anderes übrig als dich über den Preis der Fahrt zu beschweren. Dann heißt es: Round 1, Fight! Fazit: Das ist ein richtiger Badass-Move, der viel Positives birgt. Du bekommst die Chance – im wahrsten Sinne des Wortes – um den Preis zu kämpfen. Kannst du der Erste sein? Kannst du den Henker schlagen?
  • Ein netter Plausch hat noch keinem geschadet, denkst du dir. Man sollte auch Henkern mit gewissem Respekt begegnen. Ein guter Vorsatz. Du bemerkst, dass der Walter doch nicht ein solches Monstrum ist. Genial, ein neuer Freund, der dich auch mal im Township beschützen kann. Aber das Fazit bleibt negativ behaftet: Klasse! Du findest einen neuen Freund, aber das ist mit enormen Pflichten verbunden. Willst du wirklich der Trainingseinladung nachgehen? Kannst du dich mit deinen neuen Freunden bei Barschlägereien behaupten?

… Zusammenfassung …

Es lässt sich sagen, dass der boxende Taxifahrer eine ernstzunehmende Gefahr für den Schwaben darstellt. Fast so schlimm wie spontane Preisstürze, auf die man sich nicht richtig vorbereiten kann. Wer kennt das Gefühl nicht, wenn man tags zuvor einen Schlussverkauf verballert hat und Gerda und Herbert aus Westerheim im Bus zur Arbeit von „70% und mehr“ schwärmen? Man fühlt sich verfolgt. Schaut in jede Gasse, um dort einen Flohmarkt zu finden. Schnäppchenangebote verfolgen dich im Schlaf. So geht es mir, wenn ich in dieser Stadt nach einem Taxi Ausschau halte. Überall sehe ich Walter Kautondokwa. Wahlweise mit Boxhandschuhen oder mit Fleischerhaken. Ich habe wohl nur eine Chance meine Situation zu verbessern. Ich muss mich dem „Executioner“ stellen und den Fluch bekämpfen oder Schnäppchen finden, die so billig sind, dass ich bei der nächsten Fahrt nicht das Verlangen nach Preisverhandlungen habe.

Ende


Mittwoch, 16. März 2016

+3: Für 45 Minuten erstklassig

In meiner Zeit auf diesem wunderschönen Kontinent musste ich schon einige Rückschläge hinnehmen. Die Schlappe von gestern zählt mit zu den größten Pleiten und bedeutet das Ende eines Lebenstraums von mir. Immerhin kann ich mir 45 Minuten erstklassigen Fußball aufs Resümee schreiben, aber das ist nur ein kleiner Trost. 

Von Anfang an: Als Ulmer-Fußballfan wünscht man sich nichts sehnlicher als an die guten alten Zeiten anzuknüpfen. Erstklassigkeit – das Wort aus dem Träume gemacht sind. Nur sieht es für die Kicker aus der Donaustadt aktuell nicht wirklich nach Oberhaus aus. Zwar geht es bergauf, aber ganz oben ist gegenwartsnah unerreichbar. Da muss man als Fan ganz egoistisch sein und selbst für Abhilfe sorgen. Umso mehr ging mir das Sportlerherz auf, als sich mir die Chance auf Erstklassigkeit bot. Die Orlando Pirates, aktuell Tabellendritter in der namibischen Fußball Premier League, ließen sich nicht bitten und luden mich zum Probetraining ein. Mit brandneuen Nike Schuhen im Gepäck machte ich mich auf ins Sam Nujoma Stadion, das im Stadtteil Katutura (historisch bekannt als ein ehemaliges Township, das in den 1950er Jahren im Rahmen der südafrikanischen Apartheidspolitik entstanden ist) liegt. Townshipflair vermittelte auch der Taxifahrer, mit dem ich mich noch wegen des Weges zum Stadion stritt. Er auf seiner, ich auf meiner Sprache. Vereint in Unwissenheit, da wir beide den Weg zum Stadion nicht kannten. #Berg

Endlich angekommen ging es auch gleich zur Sache. Kurzes Aufwärmen und dann 9 gegen 9 „high intensity“. Natürlich ignorierten mich die anderen 17 ballverliebten Schwarzafrikaner auf der linken Außenbahn. Bekam ich mal die Pille tunnelte ich souverän, spielte durchaus tödliche Pässe und lupfte den Ball aus 30 Metern gefährlich in Richtung Kasten. In den letzten Sekunden des Spiels klärte der verdammte Abwehrspieler meinen Traumtorversuch auf der Linie. Abpfiff, Trainingsende, 45 Minuten auf Premier League Niveau mitgehalten.

Die Ernüchterung folgte Augenblicke später. Der Knöchel am rechten Fuß dick wie ein Baseball. Humpeln als einzige Fortbewegungsmöglichkeit. Das Umknicken ohne Gegnereinwirkung aus dem ersten Abschnitt des Spiels, ich hielt es für rausgelaufen, hat meine Außenbänder doch wieder in Mitleidenschaft gezogen. Die alte Schwachstelle macht mir also wieder zu schaffen und die niederschmetternde Diagnose lautet Bänderanriss. Das erste Training in der Premier League bleibt auch das letzte Übungsprogramm der Erstklassigkeit.


Wer mich kennt, der weiß, dass ich eine Sache hasse wie die Pest: verlieren. Egal in was ich unterlegen bin, es macht mich verrückt. Sport, Brettspiele, Tippen von Ergebnissen, Quizduells und was der Dinge, in denen man verlieren kann mehr sind. Ich kann das nicht ab! Jetzt muss ich mir vorwerfen lassen, dass ich gegen mich selbst und mein Ego verloren habe. Ich war sicher, dass ich die Herausforderung (Halb)„Profi“-Sport meistern kann. Ich dachte, dass Fußball mir und meinen geschundenen Bändern mehr entgegenkommt. Ich glaubte, dass mein Streben nach sportlichen Höchstleistungen hier unten in Afrika richtig Fahrt aufnehmen könnte. Jetzt muss ich damit klarkommen, dass das eben nicht der Fall ist.

Manche Menschen sagen jetzt zu mir: „Hey, ich hab’s dir schon immer gesagt. Hättest es mal gelassen“ Das zählt aber für mich und meinen Charakter nicht. Erfahrungswerte sammelst du selbst, du bekommst sie nicht vermittelt. Zum vierten Mal in meinem Leben sitze ich deswegen mehr als zu laufen und schaue gequält durch die Gegend, während unten am Knöchel jeder Herzschlag zu spüren ist. Insbesondere wenn man in einer Sportredaktion arbeitet, ist es mental sehr enttäuschend verletzt zu sein. Besonders Nachdruck verleiht die Tatsache, dass man über die Menschen berichtet mit denen man gestern noch trainiert hat. Das ist bitter.

Nun sollte man einen solch betrüblichen Blogeintrag mit etwas Positivem abschließen. Dementsprechend blicke ich voraus auf eine Reiseroute, die sich gewaschen hat: Okavango Delta und Victoria Falls stehen für Anfang April auf dem Programm. Bis dahin sollte ich wieder einigermaßen laufen können. Wegen „wenn ‘s schlecht läuft, dann läuft ‘s schlecht“ muss ich hingegen damit enden, dass sich mein Retainer (dieses kieferorthopädische „Meisterwerk“) wieder einmal vom Unterkiefer löst und ich in naher Zukunft deswegen einen Zahnarzt aufsuchen muss. In diesem Sinne … !!11!11!!!


Donnerstag, 10. März 2016

Gesucht: junger Torhüter mit Weltformat

(Quelle: NamibiaFootballAssociation

Walvis Bay/Windhoek (jsi) – Als Interimstrainer hast du es nicht leicht. Du musst den Job von deinem Coach - der Vorgesetzte, den du dich in keiner Weise zu hinterfragen traust – übernehmen. Du darfst aber auch nichts selbst machen. Man ist ja nur vorübergehend da. In einem solchen Chaos der Gefühle kann man schon mal wichtige Dinge vergessen. Insbesondere wenn man in einer Großstadt wie Windhoek wohnt. Einer Stadt in der das Nachtleben pulsiert wie auf einer Piazza auf dem Gottmadinger Wochenmarkt.

Kein Wunder also, dass die Kaderplanung für das seit Monaten angekündigte U-17 Nachwuchsturnier leicht aus den Fugen geraten ist. Das Vier-Nationenturnier ist DER Ort für Nachwuchstalente, aber der namibische Verband hat ein Problem. Für die Duelle gegen Ghana, Südafrika und die Landesauswahl aus Nordrhein-Westfalen (AZ berichtete) fehlt eine klitzekleine Wenigkeit: ein TORHÜTER!!!11!!111! „Das darf doch nicht wahr sein“, dachte sich Übergangslösung Timo Tjongarero bei seiner fünfundzwanzigsten Einheit. „Ich habe ja gar keinen Goalie.“ Nüchtern betrachtet muss man froh sein über das geballte Fußballwissen und die schnelle Auffassungsgabe von Coach Tjongarero.

Der afrikanische Fußballer ist ja seit je her selbstverliebt, achtet nur auf sich, den Ball und seine glänzenden Schuhe. Platz für andere Dinge als das nächste große Mega-Lionel-Ronaldo-Messi-Ibrahimović-Heiko-Westermann-Dribbling bleibt nicht. Der Eigensinn als Lebenssinn. Nach der einhundertundelften Session im Training blickte Tjongarero auf - so sagen es zumindest Quellen der AZ - und, von der Sonne geblendet, wendete er sich dem Freundschaftsspiel seines Teams beim Spielstand von 12:11 in der vierten Minute kurz ab. Der Schreck! Hinter seiner Abwehrreihe, ganz fern, weit weit weg in den Untiefen des satt-grünen Kunstrasens sah er es: das leere Tor. Hektisch blättert der Fußballguru in seinen Aufschrieben. Panisch ruft er seine Staff-Members zusammen. Teampsychologe, Chefkoch, Biokinetiker, Physiotherapeut, Psychologe des Chefkochs, Social-Media-Experte, Wasserträger des Biokinetikers, Medienrechtsprofessor, IT-Organisator und der Social-Media-Experte des Psychologen des Chefkochs eilen herbei. Aber keiner weiß wo, geschweige denn was ein Torhüter ist. Fieberhaft wird diskutiert, während die Mannschaft auf dem Feld das 112:178 bejubelt (Torschütze #9 Uiseb Terdius, Minute 8). Einer findet die Kaderplanung. Spieler mit dem Kürzel „TW“ gibt es nicht. Das Trikot mit der Nummer 1 ist auch nicht vergeben.

Kurz vor dem größten Turnier des Jahres der Eklat beim U-17 Team, das liebevoll „Baby Warriors“ genannt wird. Keiner kann das Tor hüten und keiner hat „ganz ehrlich“ Bock drauf. Die Devise nach der sekundenlagen Diskussion: der Chefkoch soll eine Pressemitteilung rausschicken. Alle Medienvertreter sollen die Nachricht vom torhüterlosen Kader bekommen. Vielleicht gibt es ja draußen in der Welt der deutschsprachigen Namibier einen Oliver Khan. Der Medienrechtsprofessor des Wasserträgers hat den Zugang zur nationalen Website der Fußball Föderation. Auch hier soll der Aufruf rein. Alles inklusive der Handynummer des „Youth Team Coordinators“, falls jemand einen Torhüter durch die Stadt laufen sieht und diesen von der Straße holen will. (Ein Aufruf auch von meiner Seite: falls jemand einen Torwart mit namibischem Pass erkennt, am besten noch Jahrgang 2000 oder jünger, meldet euch umgehend bei Jakes ‘Hunter‘ Amaning Tel. +264 8124 02 404)

Es ist ja noch ein bisschen Zeit bevor das wichtigste Turnier in diesem Kalenderjahr stattfindet. Am Unabhängigkeitswochenende (19. bis 24. März) ist das Vier-Nationen-Turnier angesetzt. Vielleicht findet das Team bis dahin ja noch einen Wärter des Kastens. Ob es ihnen zu gönnen wäre, bleibt eine andere Frage.


Donnerstag, 3. März 2016

Kakteen klauen Windhoeks Einwohnern Wasser

Quelle: Republikein (Maandag | 29 Februarie 2016)
Windhoek (jsi) – Während die Bewohner Windhoeks kaum gegen die Wasserknappheit kämpfen, nehmen die lokalen Kaktuspflanzen die Chance wahr und saugen das Wasser unter ihre Fittiche. Insbesondere im Stadtteil Eros, der am Rande der Erosberge liegt, ist die Dürre in den Knochen zu spüren. Trotz Warnung einiger Anwohner lässt der Großteil der Bevölkerung dem grünen Untreiben freien Lauf. Experten befürchten, dass es weitreichende Konsequenzen geben könnte, wenn nicht jeder den Kaktus sofort an der Wurzel packt und sich zudem mit dem Wasserkonsum am Riemen des Wasserhahns reißt.


Die Vorgeschichte:
AZ - Kakteen gerodet (2016-02-09)
AZ - Kampf gegen nicht heimische Kakteen (2016-01-12)
AZ - Die fremden Invasoren (2015-12-01)

Mittwoch, 2. März 2016

+2: Helden mit Bleistift und Lineal

Helden mit Bleistift und Lineal – so könnte ein „digital Native“ die Mitarbeiter einer einzigartigen Redaktion in Windhoek, Namibia nennen. Was sofort auffällt ist: hier treffen Welten aufeinander. Auf der einen Seite sitzt man vor einem PC, schreibt Artikel, recherchiert mit mehr oder weniger schnellem Internet, schaut sich um und sieht sich in einem Newsroom mit unzähligen Bildschirmen, TVs und Technik wieder. Ganz normal denkt sich der junge Student des Journalismus. Auf der anderen Seite ist das Arbeiten rund um das Print-Endprodukt alles andere als mainstream. Das End-Format ist weder DIN A3 noch DIN A4. Irgendwas so dazwischen. Platz, Geld oder so sind die Gründe. Apropos Umlaute, die sind auf meiner englischen Tastatur leider nicht vertreten und ich bemuehe mich die Tastenkombinationen jener, strikt der germanischen Sprachen vorbehaltenen, Unart auswendig zu lernen (Alt+132 = ä; Alt+148=ö; Alt+129=ü).

Darueber hinaus ist auch das y nicht dort wo es sein soll und es aergert mich sehr, dass das z auch nicht da ist, wo ich es auf einer Eingabeeinheit erwarten wuerde. Finden und Suchen - Suchen und Finden, heißt da das Motto.

Aber zurück zu den Helden mit Bleistift und Lineal, unabdingbar verbunden mit ihrer anti-mainstream Arbeitsweise. Um die weder A4 noch A3 Zeitung zu füllen, braucht es ein ausgeklügeltes Lazout-Szstem (sorriiiyyy, Tastatur isch verdraaaeeehhht = z->y; y->z) ... Layout-System!!!1!!1! Was wäre also einfacher als die Zeitung per Hand auszurechnen und Zeilen zu zählen bis der Taschenrechner raucht? Rhetorische Frage!!!111!!

Somit staunt der gemeine Student nicht schlecht, als seine Kollegen - wenn man so sagen will - vom Reisbrett aus das Layout der Zeitung entwerfen. Ein Strich hier, ein Stricht da und fertig ist das Blatt von morgen. "Das könnte sogar einzigartig auf der ganzen Welt sein," lässt sich ein Mitarbeiter zitieren (oder auch nicht ... hab' ihn nicht gefragt, ob ich das Verbreitungsrecht seines, mündlich vorhandenen, Werkes besitze oder nicht. Ich appelliere auf B(l)eiwerk)

Physikalische Formeln sind nichts gegen die Schrödinger-Katzen-Gleichungen, die in der AZ-Redaktion gang und gäbe sind. Layouten schwer gemacht! Das ist aktuell aber auch der einzige Kritikpunkt, den ich nach zwei Tagen Arbeit zu äußern weiß (Tastenkombination für ß: Alt+225). Stories über Sport sind einfach ein Metier für vitale journalistische Beasts wie mich.

Der lokale Aspekt ist insbesondere hier in der Klein-Hauptstadt Windhoek an der Tagesordnung. Mit viel Charme ausgestattet gehen viele Meldungen über meinen Tisch bzw. durch meine Tastatur und mein Herzblut, welches ganz im Rausch des Sportjournalismus schlägt. Vom blinden Paralympioniken, der im September in Rio nach Gold für Namibia greift, über Fußball-Nachwuchsturniere mit internationalem Flair bis hin zu Präsidenten des lokalen Darts Verbandes, die gegen das schlechte Image der Bar-Suff-neium-Sportart kämpfen. „Let’s make Darts great again!“ … ah nneee falscher Slogan … „Let’s make darts the number one loved sport in the country.“

Genug aber von den Internas der Redaktion! (jetzt vielleicht noch ein geiler Schlusssatz, aber geht im Grunde auch ohne)

Sonntag, 28. Februar 2016

+1: Hin zum Flughafen

Hallo Leute,
ich begrüße euch zur ersten echten Etappe auf meiner neuen Reise. Diese Etappe nenne ich einfach mal so „Hin zum Flughafen“. Ich muss euch echt sagen, dass ich volle Kanne aufgeregt bin. Ich bin schon echt oft geflogen so, aber noch NIE NIE NIE nach Namibia.

Jetzt frage ich mich natürlich: Wie ist so das Fliegen nach Namibia? Gibt’s da so Besonderheiten? Was muss ich wissen so über die Leute da im Flieger? Wenn ihr da so was wisst, könnt ihr das bitte bitte unten in die Kommentare schreiben? Das wäre soooooo nett. Würde mir sehr helfen beim Click-Bating… ähhh beim Lösen meiner weltbewegenden Probleme, wollte ich schreiben.

Warum löschst du den falschen Satz nicht einfach, fragt ihr euch??? Naja, also ich will meinen Beitrag schreiben wie ich denke und das ist manchmal unkoordiniert und komiccchhhhhhhh. Habt ihr damit ein Problem? Wenn ja, dann sendet mir doch einen Videobeitrag - nicht unter 4 Minuten - mit ganz vielen Jump-Cuts, welches ihr mir dann unter @jjsill twittert oder mir direkt an meinen youtube-Kanal JJSilkful schickt.

Aber mal weg von meinen social media feeds und euren Fragen…. Wobei eine Frage gab es unter dem letzten Post und zwar von @KevinVfB. Er wollte wissen, ob Namibia in Afrika oder im Sudan ist. @@KevinVfB: Ich weiß es auch nicht so richtig, sorry. Falls jemand von euch das weiß, wäre super lieb, wenn ihr die Antwort via instagram posten könntet und mich (jjsillk) darin verlinkt.

Aber genug Werbung für den heutigen Post, der euch von elbsport.com präsentiert wird – der Nr.1 Sportwebsite in Magdeburg. Ich fliege also weit weg. Dachte ich zumindest. Weil anscheinend ändert sich gar nicht die Zeitzone. Ich dacht‘ immer, dass wenn man so weit fliegt, dass die Zeit auch fliegt und dann irgwie andres is. Wohl ned so richtig.

Laut dieser Quelle kann ich gar nicht krank werden. 
Deswegen bin ich auch nicht sicher, ob sich das Wetter ändert. Weil wenn da unten Winterzeit ist, dann ist doch da auch Winter. Das MUSS stimmen, weil ich hab' das in einem Internet-Forum gelesen.

Vor Krankheiten habe ich übrigens keine Angst, weil ich vertraue da ebenfalls dem Internet und in diesem Bild kann man sehen, dass ich immun gegen diese schlimmen Krankheiten bin.

Das Internet sag weiterhin, dass man in Namibia auch keine neue Sprache lernen muss. Dieses Land ist nämlich voll deutsch. Also irgendwie wie Malle nur noch weiter weg. Da frage ich mich nur, warum das Saarland noch zu diesen Bundesländern gehört und Malle und Namibia nicht. Finde ich komisch. Hat das was mit Preußen zu tun? (Schreibt das mal in die Kommentare, falls ihr da was Näheres wisst)

Zum Abschluss des Posts noch ein paar Zitate vom Kanzler von Namibia. Der heißt Hage Geingob und der sagt:

"Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen."
"Es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll."
"Man könnt' erzogene Kinder gebären, wenn die Eltern erzogen wären."



Samstag, 27. Februar 2016

+/-0: Die neue Zeitrechnung

Endlich… endlich… endlich kann ich meine journalistischen Ansätze in diesem Blog völlig über den Haufen werfen. Qualität? Wurschd. Ausdrucksweise? Pfff, laber doch nich‘. Streben nach Werten und Höherem? Alter, was für Streber, Alda!

Da ich zu meinen journalistischen Auslandspratika aufbreche und Arbeitsstunde nach Arbeitsstunde dafür verschwenden werde Qualität zu liefern und zu brillieren, brauche ich einen Ort, an dem ich den ganzen anderen Käse verlagern kann.

„Leben in Namibia und Tansania, mein Traum in die Fußball-Nationalmannschaft eines schwarzafrikanischen Landes zu kommen ohne dort offiziell Bürger zu sein, verrückte Reisegeschichten von weißer Sozialphobie über Dummheiten in Townships bis hin zu Visa-bedingten Grenzüberschreitungen“. Alles natürlich mit Raum für noch mehr Unterqualitäts-Shit – das sind die neuen Themen auf meinem (vom Qualitätsjournalismus-verseuchten) neuen alten Blog. Der Relaunch des Blogs in einem neuen Gewand also. In neuer Freiheit. Ohne einig zu sein mit anderen Menschen. Einfach so frei wie ein Ulmer Steuerhinterzieher nach seiner (zu) kurzen Haftstrafe.

Zebras eskalieren beim Feiern! 
Endlich darf ich auch mal einen - aus Journalismus-Studenten Sicht - schlecht aufgebauten Text schreiben. Ohne Skrupel und Scham. Mit ganz viel Ich Ich Ich: „Ich tat dies“ oder „Ich machte das“, „in dem Moment dachte ich jenes“ um nicht zu vergessen „das sind Dinge für die interessiert sich kein Lappen, aber das ist mein Blog und deswegen schreibe ICH einfach mal alles auf“. Man mag es einen träschigen Reiseblog voller Zebras, Missverständnisse und unbeendeten ….

Dafür muss man sich normalerweise schämen. Nicht aber, wenn man sich sechs Monate Ausland inklusive Praktikum in zwei Presseunternehmen gibt. Da muss man nach Redaktionsschluss auch mal sich gönnen, wo man doch immer so hart arbeitet.

Somit auf zu neuen Ufern des Unterhaltens. Vielleicht auch mal mit riesigen Bildern (EOS 700D, ihr Lappen), mit gut recherchierten Altersangaben in Klammern hinter Namen, Geschichten über blau-weiße Krieger auf grünen Schlachtfeldern, mit Hetze und Lügen, Satire und Glossen, vielleicht sogar Kommentare ohne Punkt und Kommata-Striche und Dinge, bei denen keiner weiß was überhauptZ-_-zZz abgeht.

Falls ein Professor des Medienrechts diesen Test liest und ich mich somit mehr rechtfertigen muss als normalerweise, soll Folgendes die Quintessenz sein:

Ein Journalist braucht wie ein Haustier Freiheit bzw. Auslauf, Essen (durchaus essentiell, wenn auch nicht konsequent zu regelmäßigen Zeiten serviert) und dazu noch Platz für Kreatives und Ideen. 

Nachdem mein Studium (sorry Leute, aber das muss jetzt gesagt werden) wenig Platz für die echte Craft (!!!!!111!!!1!!) also das Schaffen von Medien bot und wir mit einer, von Galliern betriebenen Website, versuchten unsere Genialität an den Mann 
(gender??? Nope, wenig Frauen in den Likes auf facebook – facts!) bringen mussten, dreht sich das nun um 180°.

Von jetzt an heißt es für mich beim Arbeiten täglich Qualität liefern und im Netz Mist verzapfen – im Übrigen auch das Tages-Motto vieler AFD Wähler aus der arbeitenden Mittelschicht. Deswegen schaffe ich mir hier selbst den Platz für blödsinnige Gedanken, die im besten Fall als eine Art Auslandstagbuch dienen könnten. Wenn auch nur für mich bzw. eingeweihte Personen oder jene, die nach dem dritten Lesen nicht müde werden versteckte Botschaften zu suchen.

Nun also auf geht’s ins Neuland und falls Kevin Großkreutz diesen Text lesen sollte eine Nachricht nur und zwar NUR an ihn: „Hallo Kevin.“


Sonntag, 6. Dezember 2015

Latein für Arme #4 - Sozial Media Arbeit

Wir befinden uns im Jahre 2015 n.Chr. Die gesamte Presselandschaft in Magdeburg ist von der Volksstimme besetzt... Ganz Magdeburg? Nein! Eine von unbeugsamen Studenten bevölkerte Website hört nicht auf, dem Imperium Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die Volksstimmen-Legionäre, die als Besatzung in den befestigten Lagern Nachrichtum, Sportarium, Marktplatzanum und Kulturbonum liegen...


Nothackerix sitzt vor seinem Laptop und hat ein großes Problem. Er schaut den Live-Stream des elbsport.com Teambuildings. Mit Schrecken muss er feststellen, dass Hooliganix und Eskaliernix das Buffet stürmen. Die Bediener, zwar Fans von höllisch harten Horror-Hits für Hartgesottene, sind dennoch mit der Gesamtsituation überfordert. Eskaliernix schimpft auf die Verantwortlichen, da diese eine Tischdecke falsch auf- oder abgehangen haben - welche der beiden Möglichkeiten nun stimmt, das kommt in der Berichterstattung_innen nicht ganz zum Tragen. Hooliganix hingegen klaut einfach eine Banane. Desweiteren trägt er eine kaum zu beschreibende Untat auf dem Kopf: eine Mütze von Matthias Tischer aka Oliver Kahn für Menschen der Drangsal. "Testimonium paupertatis", denkt sich der Chefredakteur und twittert erstmal über die Vorfälle. #Berg

Sozialarbeit #1:
Nur mit einem "@" ist es die
Arbeit nicht getan, Freunde! 
Sozialarbeit #2:
Scheint als wären die Kollegen schon
lange nicht mehr in der Ecclesia gewesen. 
Anzeichen von paupertas finden sich in letzter Zeit zuhauf auf jenen sozialen Medien. "Perfektionisten" versuchen sich an Zahlenspielen zum FC Bayern und ein Volleyballfan1 sieht Ergebnisse, die wir nicht sehen (1000:0 beim balonvolea, das geht doch gar nicht, oder?). Die traurige Wahrheit: Es kann halt nicht jeder so gute Sozialarbeit leisten wie die Vox des Volkes. Die prägnanten Formulierungen dieser Vollredaktion florieren, gedeihen und blühen nur so in den Feeds des Bundeslandes, in dem alle früh aufstehen und sexy sind. #Berg

Über den #Berg ist auch die Redaktion der besten Magdeburger Sportwebsite (die Größten der Welt, wenn man so will). Über den #Berg von Hate, Intrigen und Lügenkresse-Vorwürfen. Aber was hat das alles mit @Andrea Berg zu tun? Egal! Wichtig ist, dass man gestärkt aus der Krise gekommen ist und vor weiteren kontroversen Berichterstattungen nicht zurückschreckt. #‎ziehtihnendieSpätzlelang‬

'Ja ist denn heut' schon Weihnachten', denkt sich der alles-ohne-zu-lesen-unterschreibende und sich-für-naiv-darstellende-und-dabei-höchst-abgezockt-handelnde Kaiser_innen. Aber Nothackerix weiß, dunk vom #elbsportAdventskalender, genau welches Datum heute ist. Einer, der nicht(s) so wirklich wusste, werder abgezockt handelte noch irgendwas Beneidenswertes an sich hatte, war ein getty Mitarbeiter der Außenstelle Oberbayern. Lizenzen für verdammt alte Bilder sind bei ihm so rar wie die intimen Momente von Tiger Woods und Mädche_innen ... also den Medien, genau Medien. Tiger Woods und Medien - eine Liebesgeschichte equivalehnt zu, na ja, Pegida-Posts und richtiger Zeichensetzung. #unBerg

Falls das omnino Chaos ausbricht und den Galliern der Himmel auf den Kopf zu fallen droht, kann man sich wenigstens auf einen Kasus verlassen: den Respekt der anderen Medienhäuser. Man fühlt sich als Gallier bei Pressekonferenzen immer respektiert und NIE (wie beispielsweise dieser Text) in die Ecke gedrückt. Man wird immer für seine Arbeit respektiert und nie werden Kontakte von irgendwelchen Mitarbeitern des FCM schamlos ausgenutzt. (hust) Akkreditiernix (hust) Jener Typ (ein ehemaliger Gallier, der zur bösen Seite der Sportimago wechselte und nun von "blauen Hünen" schreibt, die Klingen oder Schwerter kreuzen und Salzsäure in Wunden der gegnerischen Teams streuen), ja genau, dieser Typ, war nur geil auf die indischen Zeitraffer-Künstler. Der Qualitätsjournalismus bleibt schmerzlich vermisst, wie die angestrebte Zielgruppe bei den Wählerischen. Dennoch war es Klapphaltnix und Rhetorix ein Anliegen den Kollegen der Vox des Pöbles zu helfen. (Die meisten Beteiligten musste ich auf dem so genannten "Screenshot" unkenntlich machen, wegen Lus gentinum des Homo privatus.) #diesesMalechtBerg

Ob jene Hilfestellung angekommen ist, das weiß auch Nothackerix nicht. Was sicher ist, wie das Messe singen in der Kirche, man benimmt sich auswärts asozial ... oh, Moment - falscher Blog, sorry ... sicher ist, dass das Leben eines studierenden Galliers nie langweilig zu sein scheint. Vor allem nicht, wenn man eine von unbeugsamen Studenten bevölkerte Website betreibt, die dem Imperium Widerstand zu leisten versucht … oder an diese Website eine Hommage schreibt.


Freitag, 4. Dezember 2015

Raus aus dem Abseits #4 - #salutehardwork

Charakter:
Lance Jeter, Guard MBC
Founder and CEO of #salutehardwork
Das Rezept für ein gelungenes Interview:

Zutaten:
102 kg - Muskelmasse
190 cm - importiert aus Beaver Falls, USA
10 Zehen - wenn möglich gepflegt
eine Brise - Profisportler
3 Scheiben - College-Ausbildung
1 Messerspitze - Charisma

Zubereitung:
Arbeitszeit: ca. 30 Min. (Anfahrt und Spiel ausgeschlossen) / Schwierigkeitsgrad: mittel, gute Vorbereitung aber von Vorteil / Kalorien p.P.: ca. 258 kcal (2 Schokoladenriegel pro Halbzeit)


Schritt 1: Zutaten zusammenstellen

Die oben genannten Zutaten zu bekommen ist beschwerlich. Viele Menschen versuchen für ihre Englisch-Story ein Feature-Profile eines Profi-Sportlers zu servieren. Da heißt es: langes Garen im Ungewissen, bis sich ein geeigneter Spieler findet. Der Weg kann da auch mal ans Ende der Basketballwelt führen... ins unbekannte Weißenfels, Hochburg für Auswärtssiege.

Schritt 2: Anfahrt

Stundenlange Zugfahrten mit der obligatorischen Verspätung sind einzurechnen. Die ostdeutsche, kalte Art (gemeint ist natürlich das Wetter) auf dem Weg ins Basketballmekka ebenfalls. Was sich anfühlt wie Jahre, endet schlussendlich im wunderschönen Weißenfels. Eine Stadt so schmackhaft wie schlecht zubereitete Mais-Hähnchen im Kartoffel-Gemüse-Bett. Im Dunkeln sehen nämlich alle möchtegern-barocken Städte gleich aus.

Schritt 3: Im Backofen

Nicht die Nerven verlieren, dieses Motto bei 2.300 absolut verrückten Fans einzuhalten, ist nicht einfach. Ganz Weißenfels wartet auf den ersten Sieg in der Bundesliga und deswegen gleicht die Stadthalle einem Brutkasten. Die Devise: nicht von der fantastischen Stimmung mitreißen lassen und fleißig Spielzüge analysieren. 5 Assists, 1 Steal, 5 Punkte (1/3 3er und 2/2 FW), 1 Turnover, 3 Fouls, 2 gezogene Fouls, 8 Efficiency und ein plus-minus von +25 später, kann das Interview beginnen.

Schritt 4: Servieren

Klar ist es einfacher ein Gespräch zu führen, wenn das Teams des Befragen das erste Erfolgserlebnis der Saison eingefahren hat, aber dennoch gibt es Dinge wie Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede zu bekämpfen. Für die perfekte Vorbereitung gilt: viel zu viele Fragen aufschreiben (diese aber alle stellen, man weiß ja nie), zuvor mit einer Professorin aus dem gleichen kulturellen Umfeld treffen und was der Dinge zur guten Vorbereitung mehr sind, zeigt sich irgendwann von selbst.

Wenn man gut recherchiert und dem Gegenüber zeigen kann, dass man sich für seine Story, Familie, Heimatstadt etc. interessiert, dann wird der Profi-Basketballer zum handzahmen, alles-beantwortenden Freund. Jede Frage geht dann von der Hand wie geschnitten Butter-Brot (oder so). 30 Minuten später hoffen, dass das Aufnahmegerät und dessen minder-qualitativen Batterien durchgehalten haben und ab dafür.

Schritt 5: Abspülen

Im Fachjargon auch Nachwehen, transkribieren oder Auskatern. Hierfür einfach das Gesprochene aufschreiben, die Formulierungen rausputzen, den letzten Zug bekommen und fertig ist das perfekte Interview.


Alle Angaben ohne Gewähr und Garantie. 

Dienstag, 3. November 2015

Latein für Arme #3 - What the heck, Beck?!

Wir befinden uns im Jahre 2015 n.Chr. Die gesamte Presselandschaft in Magdeburg ist von der Volksstimme besetzt... Ganz Magdeburg? Nein! Eine von unbeugsamen Studenten bevölkerte Website hört nicht auf, dem Imperium Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die Volksstimmen-Legionäre, die als Besatzung in den befestigten Lagern Nachrichtum, Sportarium, Marktplatzanum und Kulturbonum liegen...


Nothackerix sitzt vor seinem Laptop und hat ein großes Problem. Die Beitragsreichweite seiner Facebook-Posts ist außerhalb des gallischen Zählradius'. Ihm scheint die Zukunft der besten Sportwebsite in Magdeburg gesichert zu sein. Groß denkend fühlt er schon Sesteriolum in den Händen. Doch der Rückschlag lässt nicht lange auf sich warten - "opinione celerius", wenn man so will.

Ein wahrhaftig riesiger Gladiator des hiesigen Fußballimperiums hat Leistungsschwankungen, Spannungsschwankungen und was der Schwankungen mehr sind... Beckus, wie der Kämpfer in den Strafräumen Schlands genannt wird, verweigert den Dialogus. Die gallischen Studierende_innen sind mutus. "Der ist ja schlimmer als der Akkreditiernix", flucht Nothackerix lauthals in seiner Kemenate. Selbst die Aussicht auf Weißwurstfrühstück inklusive Lack und Leder machten jenen Karius ...ähhh... Beckus nicht eloquenter.

Dabei ist das Patronenlager gefüllt mit neuem Pulver. Die Zahl der Gallier_innen, die sich zur Redaktion zählen, wird immer üppiger - wie Harena am Meer. (Neologismus-Satz) Auch aus kleineren Kolosseums wird nun annuntioiert. Dinge wie Eishockey für Arme und ohne Eis oder Handball für YoungsterzZzZ stehen auf dem Programm. Ebenso wie die Darbietungen der schwer-gewichtigen Gürtelsammler. Jene Körperertüchtigung, die Klapphaltnix und Rhetorix nicht so ganz verstehen. Der universelle Beckus ...ähhh... Tonus ist klar: Wieso behält nicht jeder seinen Gürtel, dann gibt es keinen Guerra.

Guerra gab es indessen während der letzten Ressort-Sitzung der Fußballschwärmer. In einem Anfall von biologischer Grundsatzdebatte wurden weniger Melonen und mehr Enten gefordert. Dabei kommen Melonen sehr gut bei den Spectantes an. Die Magdeburger_innen betüddeln am liebsten amerikanische Melonen, die weit einwerfen können. Liebkosen will die gallische Redaktion von nun an wennschon Enten. Was da nur die Censura sagt? Sicher nicht "Poetis mentiri licet".

Mit Sprachen haben es die Schaffenden der örtlichen Hydraulikpresse (oder Bramahschen Presse) eh nicht so. Will man da mal ganz casual eine Melone_innen organisieren, ist Mann ashamed and speechlessly wordless still sitting without saying a word. Zum Glück kann Nothackerix Schach perfekt englisch Eröffnen. Wie einst Howard Staunton offeriert er geschlossen, fasst den c-Bauern und zieht mit Kraft. Das Interview ist im Kasten, während der Rest noch amerikanischen Melonen deutsche Leitkulturwerte beibringen will. Man(n) darf deshalb gespannt sein wie es weitergeht mit malonesport.com.

Das Leben eines studierenden Galliers scheint indes nie langweilig zu sein, vor allem nicht, wenn man eine von unbeugsamen Studenten bevölkerte Website betreibt, die dem Imperium Widerstand zu leisten versucht … oder an jene Website eine Hommage schreibt.

Dienstag, 6. Oktober 2015

"Tage in der Hölle" - Area 47 Kritiker packt aus

Es ist der Ort in Europa für Adrenalin-Junkies, für Outdoor-Fanatiker, für Wasserratten und Draufgänger - die Area 47 im Ötztal. Schon am Eingang wird klar, hier sind nur die ganz Versierten am Start. Wahre Instagram-Profis rennen mit GoPros durch die Gegend. Ob auf dem Helm, mit weit ausgestrecktem Selfie-Stick, per Gurt an der Brust oder (fast zu einfach) in der Hand - die Actioncam darf in diesem Urlaub also nicht fehlen.

Von überall hört man schallende Freudenschreie. Ob von ganz oben aus dem Hochseilgarten, dem höchsten Garten der Welt, ob von ganz unten aus den Tiefen der Ötztaler Ache beim Rafting oder bei einer der ganz nassen Veranstaltungen in der Water Area. Wer slided (ja, ohne Anglizismen kommt man im "Ultimate Outdoor Playground" nicht aus), dived, flyed, drived oder geblobbed wird, der hat unglaublichen Spaß und will nicht mehr weg. Zwar gehören blaue Flecken zum Caving, Rafting, Canyoning und Climbing dazu, aber das nimmt der Adrenalin-Suchti mit einem lässigen Augenzwinkern hin. No pain, no gain - scheint das Motto zu sein.

Jeder hat Spaß, jeder will mehr, jeder bekommt nicht genug - doch exklusiv mit uns spricht ein Gegner der Adrenalin-Bewegung im Ötztal. Da er anonym bleiben will, nennen wir ihn einfach Hannes S. aus R. lebend in W. , dazu noch Fan von S04. Jener Hannes (!!!) kann den Hype nicht verstehen.

Wer will denn freiwillig in eine dunkle Hö(h/l)le absteigen, sich dort über 100 Meter von wortkargen Ranger abseilen lassen und dann durch bitterkaltes Wasser, fast abstürzend, an alten Zugschienen zum rettenden Licht hangeln? Den unglaublichen Muskelkater mal ignorierend, aber das ist doch kein Spaß.

Hannes' Kritik geht nicht nur an den Park selbst, sondern auch an einige Pensionen im Umkreis. Seiner Meinung nach ist es nicht tragbar, dass ein Vampir ein Hotel leiten darf. Eine unterklassige Unterkunft, in der es bei Vollmond immer Knoblauch gibt - man fragt sich, ob der Koch nicht der wahre Held ist. Er versucht offensichtlich die Gäste zu retten oder hat keine Ahnung was Vollmond und Vampire miteinander zu tun haben. Keine Ahnung hat auch die Servicefachkraft hinter der Bar. Sie verkauft unter dem Namen "Großmutter" ein fast tödliches Getränk, welches ein Mitglied der Redaktion dieses Blogs fast um die Ecke gebracht hätte - und das an seinem eigentlichen Ehrentag.

Zurück in der Area leckt Hannes seine ersten Wunden. In einem Durst nach gutem Fußball - als Schalke Fan wird dieser ja kaum gestillt - geht es für den sympatischen Schwaben in die Beach-Soccer-Area. Der Versuch von Copacabana-Futebol geht im österreichischen Sand unter. Harte Zweikämpfe, Blutgrätschen und Weitschüsse lassen technisch-versierte Ballzauberer am langen Selfie-Stick hängen. Beim Beach Volleyball das gleiche Bild. Fans von three-touch-smash-Taktik müssen sich dem Lieber-mal-den-Ball-über's-Netz-gurken-Prinzip hingeben.

'Autofahren', denkt sich unser Reutlinger-Kritker, 'das ist entspannend und da gibt es sicher nichts auszusetzen'. Gedacht getan, meldet sich Hannes in der "Offroad Area" an. Der Schreck vor dem Polaris Buggy aka Golfcart on Steriods ist groß: 44 PS, Hinterachs-Einzelradaufhängung (IRS), lange Federwege, die ein sehr sicheres Fahrgefühl vermitteln sollen? Das Ding mit 163 kg Eigengewicht und einer Bodenfreiheit von lediglich 28 cm ist auf der Strecke nicht zu handlen. Der Überrollbügel scheint wichtiger zu sein als alles andere. Das Coaching des Latino-Mitarbeiters ist unter aller *** und seine Mathematik Fähigkeiten schließen sich dessen an.

Beim MX Freeride E zeigt sich das gleiche Prinzip nur auf zwei Rädern. Der Untergrund ist unmöglich zu befahren. Allzu oft ist man gefangen in Spurrillen und küsst folglich den harten Untergrund. Dies zwar spektakulär auf Video festgehalten, aber sensationell heißt nicht gleichbedeutend wohltuend.

Der schon geschundene Körper bekommt in der Area keine Rast. Zu Zeiten, zu denen Feierwütige nach Hause kommen, geht es für die Adrenalin-Jagenden aus den Federn. Das Wetter ist zwar wieder strahlend schön, die Aussichten für den wasserscheuen Weltenbummler nicht rosig. Rafting steht an. Übersetzt: Ein Haufen von Leuten setzt sich in ein Schlauchboot und fährt unter militärischen Anweisungen (LINKS VORWÄRTS; RECHTS RÜCKWARTS; TEQUILA; ALLE INS BOOT) todesmutig einen Fluss mit Stromschnellen hinunter. Die wunderschöne Aussicht auf die Landschaft Tirols wird getrübt von - ja, wie soll man das jetzt sagen - Wasser. Bitterkaltem noch dazu. Da strahlt auch der Neopren-Anzug keine Wärme mehr aus.

Jener Chlorbutadien-Kautschuk ist hier nicht wegzudenken. Auch beim Canyoning muss man den Anzug, der davor von der Hälfte aller Besucher schon getragen wurde, anziehen. Manche Personen reinigen ihre Robe nach der Benutzung mit Lauge, aber der Tragekomfort ist eingeschränkt. Wie muss man sich nun Canyoning vorstellen? Man wandert durch ein Flusslauf. Schliert die Steine entlang, springt von Kippen, rutscht, watet, seilt sich ab und an ab und an. Was macht man nicht alles für die gute Videoaufnahme?

Es scheint als ginge es hier in der Area um nichts anderes. Hobby Steven Spielbergs soweit das Auge reicht. Auf Rutschen, im Wasser, fliegend, stützend - einfach überall. Auch unser Möchtegern Regisseur aus Ruanda macht seine Aufnahmen. Wenn schon quälen, dann so, dass andere Leute es sehen können. Allerdings unterschätzt er den größten Feind der Filmindustrie: den leeren Akku.

Das quälend lange Wochenende neigt sich dem Ende zu. Die Video-Clips sind sortiert. Diese muss jetzt nur noch jemand bearbeiten und schneiden und sichten und importieren und exportieren und Stunden damit verbringen. Am besten jemand, der nicht mobil ist und zu jeder Zeit verfügbar. So eine Art bewegungsunfähiger Student mit physischen (oder doch psychischen?) Problemen.

Hannes für seinen Teil will nur noch nach Hause. Länger hätte er es dort nicht ausgehalten. Ein bisschen zu viel Action für den schwäbischen Schalke-Sympathisanten.

"Das ist was für Jonge!", lässt sich der wissende Weltenbummler zitieren. Da können wir vom Blogger Redaktionsteam nur recht geben.

Dem GoPro-Druck nachgebend hier der Trailer des über 30 Minuten Actionfilms. In den Hauptrollen das Blogger Team plus family and friends: