Sonntag, 26. Juli 2015

Raus aus dem Abseits #3 - Eine Stadt, ein Sport, ein Hype

In der Stadt Magdeburg bricht ein kollektiver Hype aus. 21.079 Fans stürmen in die MDCC-Arena. Der Anlass: Der geliebte 1.FC Magdeburg ist zurück im Profifußball. Tausende versammeln sich vor dem Spiel und laufen mit Fanmarsch und stolzer Brust zum Stadion. Der DFB zollt ebenfalls sein Tribut und setzt die Partie des FCM gegen Rot-Weiß Erfurt als Eröffnungsspiel an.

Zusammen mit ShantiHD sind wir von elbsport.com auch in und um die Arena zu finden. Das Video kann sich sehen lassen. Der Nachbericht zum 2:1 Last-Minute-Sieg des FCM ist ebenfalls lesetauglich.





Schwierigkeiten beim Dreh finden sich zuhauf. Finde die richtige Stelle für die empfindlichen Zeitraffer-Aufnahmen. Erkläre dem Ordner, dass die Besteigung des Karten-Containers von Irgendjemandem abgeklärt wurde. Mache den Leuten klar, dass man den Fotoapparat nicht einfach mitten in der Aufnahme wegstellen kann. Noch viel schwerer: Erkläre den angeheiterten Fans, dass man jetzt nicht schnell ein Gruppenfoto machen kann, weil wir doch Timelapse (Was'n das?) machen.

Am Ende endet unser Projekt, ebenso wie das Spiel des FCM, mit durch die Bank positiven Feedback. Die Magdeburger erfreuen sich an der kruzzeitigen Spitzenposition der 3.Liga (klar, wer das Eröffnungsspiel gewinnt ist über Nacht Tabellenführer) und wir erfreuen uns an den wunderschönen Impressionen.

Sonntag, 19. Juli 2015

Latein für Arme #1 - Sportpresselandschaft in Magdeburg

Wir befinden uns im Jahre 2015 n.Chr. Die gesamte Presselandschaft in Magdeburg ist von der Volksstimme besetzt... Ganz Magdeburg? Nein! Eine von unbeugsamen Studenten bevölkerte Website hört nicht auf, dem Imperium Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die Volksstimmen-Legionäre, die als Besatzung in den befestigten Lagern Nachrichtum, Sportarium, Marktplatzanum und Kulturbonum liegen...


Nothackerix sitzt in seinem Zimmer und hat ein großes Problem. Sein Computer funktioniert nicht richtig. Die geschriebenen Artikel für seine Lehrredaktion sind nicht zwischengespeichert worden. "Konterkariert!", flucht er. Auf der Suche nach Ablenkung vom technischen Schlag in die Fresse, suchmaschint er im Internet nach der Sportseite für Magdeburg und Umgebung.

Die Auswahl ist betulich. Ein Photographus übt sich im Schreiben von nicht objektiven Texten mit kämpferischen Ansagen. Eine Radiophonia-Anstalt versucht sich im regionalen Auszubreiten. Schlussendlich gibt es noch die Vox des Volkes. Nothackerix aber scrolled noch ein bisschen weiter in googelix. Und oh Miracolum, seine eigene Homepage kommt zum Vorschein. Das neue Signum der Seite ist elegant und modern - mit einem schönen Bezug auf die Elbe.

Die Familia von elbsport.com hat wahrhaftig gute Arbeit geleistet. Nothackerix erfreut sich an der Vielfalt von Geschichten und exklusiven Exklusiv-Interviews über die Sportarten Fußball und das-wo-man-mit-dem-Ball-dribbeln-muss. Basketball? Nein, manus-pila. Diese Sportart scheint aber nicht gut im magdeburgerischen Reich anzukommen. Dennoch kümmern sich die fleißigen Journalismus-Student_innen der Hochschule Magdeburg-Stendal mit viel Liebe um diese unterrepräsentierte Sportart.

Im GETEC Kolosseum, wenn die Handball-Spiele stattfinden, sind die Gallier von elbsport.com immer sehr willkommen. Umso freudiger berichtet das Team von den Spielen und der Exercitatio, die unter der Woche stattfindet. Nur ein Spieler, der als erster König Israels bezeichnet wird, den negieren unsere Helden der chaotischen Redaktion.

Chaotisch geht es an anderer Stelle ebenfalls zu. Ein Stückt die Via hinunter befindet sich das MDCC-Stadium. Hier keimen häufig Gladiatoren-Kämpfe hoch. Zumeist auch auf den Rängen und nicht nur auf dem grünen Acker. Vor allem wenn es gegen die Chemie geht. Da sind die Magdeburger Indigenas rigorose Gegner der Wissenschaft.

Die Berichterstattung ist für unsere furchtlosen Held_innen allerdings beschwerlich. Recherche wird blockiert oder es besteht der Versuch zur Unterbindung journalistischer Freiheit. Ein Americanus gehört seit dieser Saison zum Gladiatoren-Teams des FCM. Die Englisch-Künste der Gallier wurden nur leider nicht gewürdigt. Ein Vertreter des Gladiators war förmlich wütend aufgrund der Unerfahrenheit des scheuen ostamerkanischen Rehs. Das exklusivste aller Interviews steht aber weiterhin online. Da können wir Gallier_innen ja nichts dafür.

Darüber hinaus steht unsere geliebte Redaktion einem unbeschreiblich übelgesinnten unnachgiebigen Monster gegenüber. IrgendsoeinChefvonirgendwas (ins Gallische übersetzt: ein Akkreditiernix) verweigert den Investigativen den Zutritt zur hybriden Zone, in der sich Gallier, Römer und Gladiatoren zum munteren Plausch-danach treffen.

All dies treibt Nothackerix die Sorgenfalten ins Gesicht. Aber er weiß auf wen er sich verlassen kann bei wichtigen Fragen. Wochnik? Nein, weit gefehlt. Bei Werbefragen facebook fragen. PayPal macht's möglich und die Reichweite schießt so nach oben, dass man glauben könnte Einem fällt gleich der Himmel auf den Kopf.

Vor dem Himmel hat Nothackerix keine Sorgen zu befürchten. Seine furchtlosen Krieger_innen sind kaum wählerisch bei ihrem Angebot der Hilfe. An den Dies Lunae und Veneris wird also weiter fleißig diskutiert wie man Boomtown Magdeburg pressetechnisch einnehmen kann.

Das Leben eines studierenden Galliers scheint nie langweilig zu sein, vor allem nicht, wenn man eine von unbeugsamen Studenten bevölkerte Website bereibt, die dem Imperium Widerstand zu leisten versucht ... oder an jene Website eine Hommage schreibt.


Montag, 6. Juli 2015

Fernsehgesichter #4 - Abgenickt von Wochnik

Der "Captain Nelson Stinson" kollidiert auf diesem fantastischen Track mit dem aufstrebenden "Smooth J". Die Beats vom talentierten "Roh-Man" können sich ebenfalls hören lassen. 

Eine Hommage in drei Versen. (Link zu den Lyrics)





Wir haben sogar das Wochni(c)k-Gütesiegel
für diesen Beitrag verliehen bekommen.
Großartig! 


Mittwoch, 1. Juli 2015

SfM: Spo(r)tt 1 - Eine Glosse

Liebes Sport-1 Programmgestaltungsteam,

das ist eine Hommage an euch. An eure wunderbare Planungsfähigkeit und eure nicht zu enden-erscheinende Kreativität bei der Programmauswahl. Ihr seid Virtuosen eures Fachs! Niemand außer euch wäre auf die Idee gekommen, das wichtigste deutsche Basketballspiel dieses Jahres nicht zu übertragen. Aber ihr habt gleich erkannt welch‘ Potential in der Sendezeit am Sonntag um 15:00 Uhr steckt. Ihr habt gleich erkannt, dass Bogenschießen eine der spektakulärsten Sportarten der Welt ist und Rechte für die Basketball Bundesliga eh viel zu teuer sind. Ihr habt gleich erkannt, dass Bogenschießer überragende Athleten sind. Mit ihrer schieren Gewalt an Schnellkraft, Kreativität, Körperbeherrschung in der Luft und dem Willen zum Sieg überragen Bogenschießer ohne Frage alles und jeden. Gepaart mit dem Charisma eines Vollprofi-Wilhelm Tells sind diese Pfeilkünstler dem Geschleiche auf dem Basketball-Parkett weit überlegen.

Liebes Sport-1 Team, ihr seid zu genial. Ihr habt begriffen, dass das entscheidende Spiel im Finale der Beko-BBL zwischen zwei Schwergewichten des Sports (FC Bayern Basketball und Brose Baskets Bamberg) gegen Bogenschießen schlicht verblasst. In diesem Sinne möchte ich mich als Sprachrohr aller Robin Hoods bedanken. Danke, dass ihr für uns Bogenliebhaber auf Rechte, Zuschauer und Prestige verzichtet. Danke, dass ihr für uns Bogenfanatiker die Basketballwelt zum Narren haltet. Danke, dass ihr für uns Bogenüberspanner Werbung macht. Und das selbst im Angesicht einer Weltmarke wie dem FC Bayern. Eines FC Bayern, der trotz seiner vielen Söldner das Finale gegen die unbeugsamen Gallier aus Bamberg verliert. Danke, dass wir das nicht sehen mussten. Jedem Sportfan ist die Geschichte von David, der Goliath besiegt, ein Dorn im Auge. Das will niemand sehen; da gibt es keine Emotionen und keinen wahren Sport.

All das gibt es aber im Bogensport und deswegen bleibt mir für die Zukunft nur ein Wunsch: Sport 1, haltet an diesem radikalen Konzept fest. Tüftelt weiter und schafft weiter neue, bahnbrechende Ideen. Mein Tipp, um die Perfektion im Vermarkten unterrepräsentierter Sportarten noch zu verbessern, lautet folgendermaßen: Übertragt doch „fröhliches Bogen-Zupfen“ zu noch attraktiveren Sendezeiten. Beispielsweise während des Champions-League-Finals, der Olympia-Entscheidung im 100-Meter Sprint, dem Superbowl oder während eurer Sendezeit mit der meisten Reichweite, um 3:38 Nachts. 

Da würde ich mit Stolz einschalten.

In Ehrlichkeit



Montag, 11. Mai 2015

Fernsehgesichter #3 - Ralfs Ruhm in Rom?


[sagenhafter Text zur schauspielerischen und bild-gestalterischen Leistung hier einfügen]



[Erfahrungen während des Drehs und Beschreibung der Atmosphäre am Set hier einfügen]



[Kritik und Anregungen zum fertigen Beitrag hier einfügen]



Montag, 13. April 2015

Timing - Oh, du wundervolles Afrika

Timing, oder auch die zeitliche Abstimmung von Handlungen - läuft im Alltag manchmal gut, manchmal schlecht - aber immer irgendwie magisch, wenn das Timing einem einen Strich durch die Rechnung macht oder, Kehrseite, die Rechnung verschwinden lässt. Einige sagen zu perfektem Timing "Zufall" oder auch "Glück". Wie wäre es mit "Vorbestimmung", um einen Begriff aus einem Feld aufzugreifen, das mir verschlossen geblieben ist und wohl auch bleibt.  

Aber genug der philosophischen Denkanstöße, dieser Blog-Eintrag ist die Zusammenfassung meiner vier Wochen im schönsten Land der Welt, die durchzogen waren mit Timing, gut wie schlecht. 


Gutes Timing, oder "Glück", geht dem gesamten Trip voraus. Die Flüge um diese Zeit des Jahres sind unverschämt billig; eine vertraute Person, auf die ich mich blind verlassen kann, ist schon in Südafrika; mein ehemaliger Kollege aus der Schule hat keine großen Pläne für die gesamte Zeit und ist bereit mich bei ihm aufzunehmen (wie sich später herausstellt bei freier Kost und Logi - zurückzuführen auf die beispiellose Gastfreundlichkeit der Menschen in Afrika); zu Beginn meines Urlaubs sind noch keine Schulferien in South Africa, was bedeutet, dass meine, jetzt ein Jahr älteren, Schüler in der Schule sein müssen und dass das Reisen umso einfacher ist.


Stichwort "Schule": Zurück in der zweiten (oder ersten?) Heimat, komme ich nicht an der Bert's Bricks Primary Farm School vorbei. Diese Schule in Potchefstroom, Südafrika, hat mir (und das ist meine persönliche Meinung) wichtigere Dinge vermittelt als mein Gymnasium in Deutschland. Zurück am geliebten alten Arbeitsplatz komme ich in den Genuss von Dingen, die nur Mitarbeiter der Schule wirklich zu schätzen wissen.



Es klingt zu trivial, aber ja unsere Kids freuen sich wie schwarze Schneekönige (gibt es die überhaupt?), wenn sie einmal ohne Schuluniformen zur Schule kommen dürfen. Die Morgenansprache der Lehrer geht in Gesang und Tanzen unter - die Schule gleicht einem Tollhaus!


Nach einem Tag ohne Stress und voller Freude, folgt für unsere Lieblinge der Ernst des Lebens. Die Klausuren des ersten Quartals stehen an.


Warum ich dem PC den Grund für sein
Herunterfahren erklären muss
... bleibt mir schleierhaft. 
In unserem Fall jene Klausuren, die Itumeleng und ich am Abend davor, chaotisch wie immer, aufgesetzt haben. Gutes Timing für meinen alten Kollegen, da ich durch meine hochklassigen technischen Kenntnisse (Abgenickt vom Wochnik!) die Arbeitsschnelligkeit und Effizienz von "afrikanisch" auf "wahrhaft deutsch" anhebe.

Wir erfüllen unseren Teil in time ... jetzt liegt es an den Schülern mit brillanten Argumenten und logischer Struktur zu punkten. (Erkennt man hier schon meine Intention, ironische Ansätze zu schaffen?)


James gönnt seinen Gehirnhälften eine
wohlverdiente Pause ... seinen Nachnamen
wollte ich unkenntlich machen, aber das
hat er mit Bravur selbst hinbekommen. 

Später: Um die, bei mir, über 13 Jahre Schulzeit angesammelte, Phobie vor Schularbeiten zu bekämpfen, gebe ich mich dem Korrigieren der Klausuren in "Natural Science" hin. Getrieben von der Unfairness, die mir im Gymnasium angetan wurde, korrigiere ich wie ein in die Jahre gekommener Erdkundelehrer, der nur noch auf seine Rente wartet. Schnell wird mir Folgendes klar: Dieser Notenschlüssel macht in diesem Teil der Erde wenig bis gar keinen Sinn. Einige Extrapunkte und viele zugedrückte Augen später hat auch der schlechteste Schüler der Grade 6 keine Nullnummer geschrieben. Ein Haufen Schüler bleibt, trotz meiner unendlichen Güte, dennoch unter der magischen Punkte-Grenze. Nicht bestanden, heißt es dann, nicht einmal 20 der möglichen 50 Punkte, erreicht. Shame on you! Highlight des Misserfolges ist James. Er schafft es, sein Hirn komplett auszuschalten und sagenhafte 2 Punkte zu schreiben (und ob "schreiben" hier der richtige Ausdruck ist, bleibt verhandelbar).


Apropos Pause. Die genehmigte ich mir nach dem Klausurenstress ebenfalls. Immerhin bin ich ja kein offizieller Volontär mehr, sondern mehr Pauschaltouri als Halb-Südafrikaner. Ab in Richtung Küste hieß also der Plan. Dort machte das Wetter mir und meiner township-bound Reisepartnerin das Leben schwer. Timing hierzulande nicht so gut, weil das Sonnen am Strand in und um St. Lucia mehr einem Calima glich als den Bildern im Reiseführer. Was an der Küste des indischen Ozeans dem Reiseführer entsprach, war die Nilpferd Safari im Abendrot. Dort gelang es mir dagegen nicht, das zu erstrebende Bild eines gähnenden Nilpferdes zu knipsen. Ich fühlte mich zeitweise wie dieser Fotograf in dieser komischen Kindergeschichte, die irgendwie keine Moral zu haben scheint. Da stimmte das Timing zwischen Nilpferd und mir wahrlich nicht.

Glücklicherweise fand unsere, global bunt zusammen gemischte, Reisegruppe dann doch noch eine fotogene Hippo-Familie. Die schlafenden Nilpferde, überrumpelt und aus Platzgründen unfähig unterzutauchen, um sich vor den gezückten Linsen der Pauschaltouris verstecken zu können, gaben ein super Motiv her. Wutentbrannt über diese Frechheit kamen die gefährlichsten Tiere Afrikas gen Nachts in die Stadt, um ein persönliches Statement abzugeben, wie unzufrieden sie mit ihrer Vermarkung sind. Da ich diesen Text schreiben kann, sieht man, dass ich den Angriff der negativ gelaunten Nilpferde überlebt habe ...


"Tauch' doch auf, du Penner!"
Friedliche Familientiere diese Flusspferde? 
Nicht immer! Invasion zweier Tiere in der Stadt. 


... ach ja ... überleben ... da war doch was ...


Where we at tho? 
Nach Nilpferden und Strand ging unsere, noch, muntere Reise durch Südafrika weiter in Richtung Norden. Kurzer Abstecher im Uhlhulwe-Nationalpark. Dort bekamen wir allerdings "nur" Elefanten, Nashörner, Giraffen und Zebras zu Gesicht. Die großen, schönen und mächtigen Katzen blieben Fehlanzeige! Nach vier Stunden Safari stellte sich unser nächstes Reiseziel zeitlich und vor allem räumlich als unerreichbar dar. Die Drakensberge waren von hier bei Tageslicht nicht mehr zu erreichen. Und, wie fangen alle schlechten Horrorfilme an? Richtig, nach Sonnenuntergang vor einem geschlossenen Backpacker mitten im Nirgendwo. Das geschlossene Gate, hinter welchem drei bissige Hunde ihrer Missgunst freien Lauf ließen, verwehrte uns den Zugang zur verdächtig unbeleuchteten Rezeption. Infos auf der Homepage? Fehlanzeige! Klingel? Fehlanzeige! Mitten in der Nacht die Dirt-Road zurück fahren? Fehlanzeige! Das ist immer noch meine Kreditkarte, die da auf vier Rädern durch KwaZulu Natal gurkt.

Kurz vor Überschreitung der Schwelle zur Verzweiflung fanden wir doch telefonisch Anschluss zum Besitzer. Der Eigentümer, deutlich verwundert über die späte Kontaktaufnahme, wies daraufhin, dass seine Unterkunft in dieser Reisesaison noch nicht eröffnet ist. Er ist abhängig von einheimischen Touristen und öffnet deshalb nicht vor Schulschluss. Schlechtes Timing? Nein, Glück im Unglück! Weil wir ihm wohl sympathisch und verzweifelt erschienen öffnete er nur für uns sein Etablissement. Anfang einer modern(d)en Weihnachtsgeschichte auf dem schwarzen Kontinent im südafrikanischen Herbst?

Modernd ist das Zimmer, welches uns angeboten wird, auf jeden Fall. In dem Kabuff steht zudem die Luft wie Adam Hall bei seinem legendären Slam Dunk, bei dem das Bild nicht angehalten wurde.

Heute gibt's erstmal keinen Luxus. 
Das schleichende Gefühl hier stimme etwas nicht, geht mir in diesen Momenten nicht aus dem Kopf. Beim Blick in das Gästebuch erschaudere ich noch mehr. Der letzte Gast besuchte den Backpacker im September 2014. Die letzten Worte des Rezensionsbuches lauten: "We wished that we could have stayed longer!" 'Wir wünschten, dass wir hätten länger bleiben können.' Mein Kopf spielt verrückt. Wo bleiben können? Auf der Erde, lebend, oder im Backpacker, wohnend? "Iss ja nichts aus dem Kühlschrank, auch wenn die Speisen unglaublich lecker aussehen", sage ich mir.

Ich bin sicher, überall lauern Fallen des Backpackerbesitzers (welchen ich aus Datenschutzgründen nicht nennen darf). "Okay, egal", denke ich der Müdigkeit nachgebend, "Türe abschließen, schlafen und dann nichts wie weg!" Die Türklinke noch in der Hand, realisiere ich erst nach Sekunden, was mir da gerade passiert ist. Die Pforte hat sich ausgehängt und steht frei schwebend neben mir. Der große Beschützer entzäunt und nutzlos. Türe abschließen augenblicklich zur Fehlanzeige geworden!

Die Angst wiegt mich somit in den Schlaf. Von diesem schreckte ich immer wieder auf und frage mich, warum ich so schweißgebadet bin. Gut, über 35 Grad im Zimmer ist eine logische Erklärung ... aber was ist schon logisch?

Als die südafrikanische Sonne endlich aufgeht, erfreue ich mich meiner Lebendigkeit und fahre, den komischen Backpacker im Rücken, mit mehr Elan denn je in den (meiner Meinung nach) schönsten Teil des Landes: Die Drakensberge 

Blick vom Gelände der Amphitheatre Backpackers Lodge  auf die nördlichen Drakensberge


Im atemberaubendsten Backpacker der südlichen Hemisphäre angekommen, geben wir uns der Planung des Fühle-dich-doch-mal-wie-ein-Pauschaltouri-in-einem-der-ärmsten-Länder-der-Welt-Teams hin. Lesotho heißt das Ziel der Tour am nächsten Morgen. Das Wetter ist am Tag unserer Ankunft allerdings alles andere als wanderwürdig. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt und so sitzen die Gäste des Backpackers am Abend in gemütlicher Atmosphäre zusammen, lauschen dem Grollen des Donners und nippen zufrieden an ihrem Cider.


Impression kurz vor der Grenze von Südafrika zu Lesotho 

Wandern in Lesotho: Mit solchen Eindrücken sein Geld wert. 

Typische Basotho-Rondavels im Schatten der Berge, können auch Wartezimmer traditioneller Heilerinnen sein. 

Wie man den Bildern entnehmen kann, hatte Petrus doch Einsehen und ließ den Himmel am nächsten Tag in Königsblau erstrahlen. Die Reise ins höchste Land der Welt, gemessen am tiefsten Punkt des Landes, (wie auch immer die da drauf gekommen sind ... na ja wenigsten haben sie sich einen Slogan zugelegt) war landschaftlich sehr wertvoll, gesundheitlich wenig aufschlussreich, da die Sangoma keine ihrer Geheimnisse rausrücken wollte. Am Ende war dieser Trip für Menschen geplant, die in diesem Teil der Welt Urlaub machen und nicht für Personen, die mehrere Monate hier gelebt haben. Das erklärt auch, warum das, in die Jahre gekommene Ehepaar aus Holland am meisten Spaß am Besuch der Primary School hatte und nicht am Wandern.

Schüler in Lesotho - mehr oder weniger technikbegeistert 



Ich sah hier nur einen Haufen Arbeit. Diese Schule braucht dringend Volontäre, da sie nicht einmal einen Stromanschluss hat. 9 Stunden verbrannte Haut später war auch dieser Tag im Paradies Geschichte.


Neue Szenerie - Royal Natal National Park: Blick vom bekannten Devil's Hoek ins Tal 

Die nächsten Tage kurz narrativ zusammengefasst, da ich im Seminar "Gestaltung von online Medien" lernen durfte, dass meine Blog-Einträge, für die ich-finde-Twitter-schon-zu-textlastig-Leserschaft, zu lang sind:

  • Wandern auf eigene Faust im Royal Natal Nationalpark (Devil's Hoek - Bild oben)
  • Fahrt zum verschlafenen Künstlerörtchen Clarens (ich suche dort verzweifelt nach einem Warzenschweinzahnschlüsselanhänger, finde aber nur Tassenuntersetzer) 
  • Zurück in die Heimat nach Potch (dort - Timing - steigt gerade die fette Geburtstagsparty meines besten Freundes aka südafrikanischer Ziehvater)
  • Bei meinem Versuch mich auf dem Golfplatz in Potch als bekannter Journalist auszugeben, scheitere ich und lande beim Fundraising des Rotary Club Potchefstroom. Die laden mich zur Eröffnung eines Kindergartens im Township Ikageng ein (Oh, welch Zufall, dass dieser vom DSJW und weltwärts gesponsert ist und es von deutschen Volontären nur so wimmelt). Den Rest des Tages verbringe ich auf dem Golfplatz, wo der Rotary Club Spenden sammelt. Ich muss mir dort unterirdische Golf-Schlägerwahl und äußerst unkonventionelle Schungrhythmiken anschauen. Läuft aber bei mir, da ich für Essen und Trinken nichts ausgebe. Die Menschen vom Rotary Club wissen halt wie man Schwaben glücklich macht  
  • Real Madrid verliert gegen den FC Barcelona und ich mache mich im Refiloe Pub durch mein engagiertes Fantum zur Lachnummer
  • Ich vergesse meinen schwäbischen Migrationshintergrund und kaufe in einem Anflug von YOLO-und-ich-habe-doch-noch-ein-bisschen-Geld-im-Beutel-Mentalität die halbe Mooi Rivier Mall leer 
  • Die letzten Schultage bin ich wieder in der Schule, versuche sprachliche Barrieren zu überwinden, muss allerdings feststellen, dass Setswana und Deutsch nicht wirklich zusammenpassen. Auch wenn meine Schüler sich mit mir große Mühe gegeben haben, aber bei diesem Beispiel verstehe ich nur das erste Wort: 



Letztes Kapitel: Soweto und das liebe Wetter

Mal wieder sitze ich auf einem Fahrrad. Mal wieder fahre ich durch das bekannteste aller Townships. Nur dieses Mal ist alles ein bisschen verschieden, verglichen mit dem ersten Mal hier. Ich blicke hinter mich und sehe die mit ihrem Fahrrad und Terrain kämpfenden Mitfahrer. Ich kann nicht anders als zu lachen. Das halbe Bert's Bricks Lehrerteam kämpft sich auf dem Drahtesel durch Soweto. Schwarze, als auch weiße, alles Lehrende, Südafrikaner sind dem Ruf von Lena, meiner inspirierenden Nachfolgerin, gefolgt.

Jetzt fahren wir, der eine souveräner als die andere, unserem Guide hinterher. Halten in der Vilakazi Street, vor dem Orlando Stadium, am Hector Pieterson Memorial und bewundern die Soweto Towers. Unsere Gruppe, so verschieden die Lebensgeschichten doch sind, verbindet eines: Die Liebe zu diesem Land und die Freude, dass es heute so viel besser dasteht als noch vor knapp 20 Jahren.

Wir Deutschen finden hier einen Ort der Inspiration, der uns (behaupte ich jetzt einfach) zu besseren Menschen gemacht hat. Die Schwarzen sehen den Ort, an dem ihre Befreiung den Zündfunken fand, per Bike in einem komplett anderen Licht. Die Weißen bekommen zu spüren, dass die Einwohner der Townships alles andere als feindselig eingestellt sind und alles rund um die Blechhütten nicht das ist, was das schreckliche Vorurteil sagt. Schade nur, dass es eine deutsche Volontärin braucht, um diesen Trip zu veranstalten, da die Menschen mit ihrer Beziehung zur Vergangenheit noch nicht so weit sind, um selbst auf so etwas zu kommen.
Links: Orlando Stadium; Heimat meiner geliebten Orlando Pirates
Bildmitte: Die Soweto Towers

Ort des Anfangs vom Ende der Apartheid: Hector Pieterson Memorial

Heimat zweier Friedensnobelpreisträger: Die Vilakazi Street
Extreme treffen auch in Soweto aufeinander: Blechhütten und leerstehende Regierungsgebäude
Das Wetter im Süden von Johannesburg ist an diesem Tag im Übrigen traumhaft. Es hat die letzten 5 Tage fast komplett durchgeregnet. Selbst bei unserer Ankunft ist der Himmel am Weinen. Aber in der Sekunde, in der sich unsere (und dieses Mal auch hautfarblich gemischte) Reisegruppe in Bewegung setzt, hört es urplötzlich auf zu regnen und Soweto erstrahlt im Licht der südafrikanischen Herbstsonne. #perfektesTiming


Mal wieder stehe ich vor der in Orange angemalten, Achterbahn und frage mich, in welchem Land ich bin. Mal wieder hört man das Gekreische von Hunderten durch die Luft zischen. Erklärung? Kurz vor der Heimreise gönne ich mir Spaß in "first-world-style". Wieder ist der Ort der gleiche wie zwei Jahre zuvor, aber die Reisegruppe ist erneut verschieden. Letztes Mal war ich mit den Schülern der Bert's Bricks hier und 2015 mache ich mich privat auf die Suche nach Adrenalin. Der Eintritt in den Gold Reef City Theme Park ist, im Vergleich zu Europa, erschreckend gering. Dennoch können sich nur die gut betuchten Einwohner Südafrikas den Trip in die ehemalige Goldmine in Johannesburg leisten. Hier trifft sich die jung-gebliebene Elite aller, in Südafrika angesiedelten Völker. Meist gleicht die, im Vergleich zu Europa erschreckend kurze Schlange vor den Fahrgeschäften, einem Catwalk. Sehen und gesehen werden, beim munteren Achterbahnfahren - so scheint es - ist wichtiger Bestandteil des Gesamtpakets.
Unwirklich wirklich: Die Anaconda wie aus der Werbebroschüre
Nach 4 Stunden Loopings, Kurven und Gekreische von 12-Jährigen knurrt dann doch der Magen und in netter Dreisamkeit sitzen zwei Deutsche und ein Südafrikaner in einem der Restaurants des Parks. Draußen beginnt, im Moment der Bestellung drinnen, der Himmel den restlichen Besuchern auf den Kopf zu fallen. Es gießt, wie es nur in Afrika schütten kann. Wir sitzen gemütlich bei Burgern und Eis. So lässt sich der Tag ausklingen. #perfektesTiming


Fazit des Reisenden: Klar, hin und wieder musste ich während der vier Wochen auch schlechtes Timing hinnehmen, nicht alle Tage waren von Perfektion geprägt. Beispielsweise als ich im Pro-Shop (darf man ihn so nennen, da er alles andere als "professionell" ist?) verzweifelt nach Golfschlägern für Linkshänder suchte. Der zuständige (weiße) Mitarbeiter machte mir klar, dass zufälligerweise (glauben wir ihm das?) die letzten Lefty-Schläger verkauft wurden. "Erst vorgestern oder so." Über die Probleme der Linkshänder echauffierte ich mich schon an anderer Stelle, deswegen lasse ich das hier bleiben.


Nichtsdestotrotz eine phantastische Reise, die ich da wieder machen durfte. Viel erlebt und noch mehr gelernt. Mit Menschen Zeit verbracht, die inspirieren, weil sie immer mit einem Lächeln durchs, öfters auch mal schwere, Leben gehen.

Weiterhin hat mir die erneute Reise ins Land meines Herzens eine essenzielle Quintessenz gelehrt. Ich habe, und das klingt wie ein Oxymoron, durch das Zurückkehren Abstand gefunden.


Zerfraß mich der Wunsch nach Heimkehr doch über die letzten Monate, weiß ich jetzt, dass ich, egal wann, nach Potch kommen kann und immer das Gleiche finden werde. Nämlich das, was ich zurückgelassen habe. Gute Freunde, Erinnerungen an tolle Zeiten und vor allem Kinder und Menschen, die Dinge zu schätzen wissen, über die wir uns nicht einmal Sorgen machen müssen. Aber anstatt mich danach zu sehnen diese Dinge zu mir zurückzuholen, kann ich mir jetzt sicher sein, dass jenes da unten besser aufgehoben ist als hier oben.


Keine Beschwerden, wunderbare Zeit, 
Dinge gelernt, Dinge verpasst,
am Ende alles richtig gemacht.


Random Notes: 
- Da lese ich doch gerade, dass Nilpferde gar nicht die gefährlichsten Tiere in Afrika sind ... sondern Taxifahrer

- Rent-a-Car Statistiken: Lucy vs Jay
  • Probleme mit dem untertourigen Motor: 8:8 (Rückspiel ist noch nicht terminiert)
  • vom Blitzer beim Rasen erwischt worden: 3:0 (da hatte ich als Beifahrer ausnahmsweise Spaß)

- manche Südafrikaner haben bei Ästhetik von Urlaubsbildern einen anderen Sinn als Europäer
Die Container-Insel im Hintergrund.
Absicht oder nicht?!

- Wenn man nach Perfektion strebt, ist das Lehramt nicht der richtige Weg, das Gesuchte zu erreichen

- Best quote of the holidays, courtesy of a teacher from our school: "Yeah, we are sorry for Apartheid and it was a really bad thing. But I'd rather go shopping in China Mall than going to the Apartheid museum... Sorry."

- Flugtipp: Bei einer Reise mit einem A380 von Johannesburg nach Frankfurt, 4 Stunden vor Abflug einchecken. Könnte sein, dass man in die neue Premium Economy upgegraded wird und den Flug neben einer, wie ein Loch trinkenden aber durchaus attraktiven Französin landet bzw. sitzt - wobei landet passt auch ganz gut, wenn man länger drüber nachdenkt.

- Zerstöre-eine-Tür Statistik: Lucy vs Jay 0:2 (bis heute ist es mir nicht zu erklären, warum ich es geschafft habe, gleich zwei Türen im Urlaub unbenutzbar zu machen)

- Das ambivalente Duell zu Schalke gegen Dortmund endet in Südafrika mit einem 0:0 Unentschieden. Meine Orlando Pirates können gegen die gehassten Kaizer Chiefs im Soweto Derby keine Überraschungsmomente setzen. Diese Momente bleiben den Besuchern des Public Viewings in Ikageng überlassen. Sie sehen und hören später im Radio, dass zwei Weiße Besucher ebenfalls vor den drei Leinwänden saßen.

- Autoren-Pick: Die Bücher von Carlos Ruiz Zafón sind, auf egal welcher Sprache, ein wahrer Genuss.

- Es gibt immer wieder Zeichen im Alltag, die einem ein Grinsen ins Gesicht zaubern. Beispiel dieses Bild mit dem Titel "Apartheid ist zu Ende"


- Aus sicheren Quellen habe ich gehört, dass einige Leser nur die "Random Notes" meiner Blogs lesen. Dies ist eine Nachricht an diese Personen:

Danke, dass ihr wenigstens Teile meiner, in schwerer Kleinstarbeit zusammengeschusterten, Einträge zu schätzen wisst. Ich bin euch auch nicht böse oder so. Ich freue mich über jeden Leser.
Twitter-Feed-als-zu-textlastig-empfindend oder nicht! 




Der Autor und seine Verleger bei Verhandlungsgesprächen 







Dienstag, 3. März 2015

JJ goes south 2.0 - South Africa again!

Ich bin dann mal wieder weg! Mein A380 steht am Airport Frankfurt Terminal Z Gate 66 bereit und fliegt mich für 4 Wochen nach Hause. Reise-Plan gibt es, ganz afrikanisch, natürlich keinen. Improvisation ist so oder so immer gefragt, wenn man seine Zeit auf dem schwarzen Kontinent verbringen will.

Was sicher ist, dass meine Reise dort beginnt, wo sie das letzte Mal auch angefangen hat: Im unspektakulären Potchefstroom. Ein Ort, der bei Touristen so beliebt ist wie der Bachelor 2015 - aus eigener Erfahrung kann ich dies nur bestätigen. Aber was treibt uns Ex-Volontäre wieder in den unschönen Nordwesten Südafrikas, der so wenig zu bieten hat?

Die Antwort ist keine klare. Schwer nachvollziehbar ist sie, schwerer zu beschreiben als gedacht und vielschichtig, wie ein Triple Whopper. Spontan fallen mir Worte ein wie: Freundschaft, Stressfreiheit, Sicherheit, Kulturgier (ist das ein Wort?!), Heimat gekoppelt mit Fernweh, Wissensdurst und was der vielsagenden Substantive mehr sind ...

Was mir durchaus klar ist (und ich schreibe den Eintrag am Airport vor Gate Z 50, weil ich hier WLAN und Strom geiern kann, ohne Mehr-Wissen und noch nicht in der Heimat), dass es nicht wird wie früher. Aber es war mir trotzdem genug wert noch einmal nach Potch zu gehen, meinen Captain im Stich zu lassen und diese Reise alleine anzutreten. YOLO, YOBO, YOSTO, SOLO.

Während meines Fluges hoffe ich natürlich auf mehr spannende Geschichten rund um upperclass Mütter, aufstrebende Rugby-Spieler und Photobombs. Allerdings birgt der Direkt-Flug via Lufthansa weniger Entertainment-Charakter als zwei Flüge über Kairo via ägyptischer "Chickenwings" Airlines in 2013. Falls es aber Interessantes zu berichten gibt, lest ihr dies natürlich sofort (hier im afrikanischen Sinne) im Blog oder alternativ auf meinem wunderbaren Twitter-Profil-Feed. Nach den vier Wochen habe ich dann hoffentlich einige Geschichten gesammelt, die Blog-Post-würdig sind (also mit klarerem Inhalt, als dieser Post)

... mehr gibt's auch von hier nicht zu berichten ... bald mehr ... oder weniger ... aus Afrika ...

... drei Tragflächen in den Wind, Startbahn lichten und ne Handbreit Luft unterm Holm!


Random Notes: 
- Schwabe wie ich bin, zockte ich einer Stewardess ein Schokoladenosterei ab. Ja ist denn heut' schon Weihnachten ... ähhh ... Ostern?
#werbegeschädigt

- Aufgrund meines unglaublichen, vom meinem Vater geerbten, Organisationswahns, gelang es mir doch tatsächlich, dem Selbst-Check-In zum Trotz, einen Platz am Fenster zu ergattern. #instagramcontent?

- Am genannten Selbst-Check-In konnte der afrikanische Lufthansa-Mitarbeiter nicht umhin mich zu loben, da ich - digital native erster Güte - das Einchecken ohne Probleme hinbekam
#eigenlobtutgut

- Das ergatterte Selbstvertrauen, vom Punkt drüber, musste ich allerdgins sofort wieder abgeben, als ich mit meinen Koffer am Selbst-Gepäck-Aufgeben-blabla-Schalter fast meine Hüfte ruinierte.
#dassindmehrals21kilo

-  Jetzt macht doch gerade jemand Selfies mit seinem Tablet(t) vor mir und ich schreib noch drüber und hab's verpasst ihn zu photobomben
#schwachesTiming

- An der Handgepäck-Kontrolle kann man sich nicht selbst durchchecken - was für eine krasse Erkenntnis. Nachdem ich mich bei der jetzt automatischen Passkontrolle selbst durchgecheckt habe, wurde mir mein neuer ostdeutscher Migrationshintergrund und mein salafistisches Aussehen zum Verhängnis! Mein Laptop als Sicherheitsrisiko eingestuft! Nach minutenlangen Warten fanden die Deppen meinen Sprengstoff doch nicht. Was ein Glück!
#terroristinthemaking

- Ich bin immer noch sauer auf mich, weil ich diesem Typen das Bild nicht versaut habe
#nachwirkungeneinesperfektionistischencharaktertyps

- Hinter mir sitzt aktuell ein anderer Typ, der die Oase des Stroms und des WLANs ebenfalls zu schätzen gelernt hat. Unvernasbar war er gerade in der Parfum-Abteilung des dutyfree-Shops.
#thatsmelltho

- Aus sicheren Quellen habe ich gehört, dass einige Leser nur die "Random Notes" meiner Blogs lesen. Okay Herausforderung angenommen.
#randomnoteshagel

- Nur um diese gewissen Leute, die oben schon angesprochen worden zu ärgern: blablablablalaberlaberfaselfaselblubbblubbblablablablalaberlaberfaselfaselblubbblubbblablablablalaberlaberfaselfaselblubbblubbblablablablalaberlaberfaselfaselblubbblubbblablablablalaberllaberfaselfaselblubbblubbbla
#findedenfehler

- Wird Zeit zu fliegen und meine Kreativität geht ebenfalls zur Neige.
#randomnotesende


Mittwoch, 25. Februar 2015

SfM: Mini-Erzählung - Armut in Magdeburg

Die Nacht in Magdeburg ist kalt, bitterkalt. Das Bündel eines Menschen liegt in zerfetzten Klamotten auf dem Boden. Sein Name ist Zahid. Er flüchtete vor dem Krieg. Sein Land versinkt im Chaos, während er mit der winterlichen Kälte kämpft. Man schmuggelte ihn nach Deutschland. Job fand er keinen.

Jetzt liegt er im Dreck, hungrig und sich sehnend nach Hilfe. Er träumt von einem besseren Leben. Lebt für den Sonnenaufgang.

Seit seiner Ankunft in Deutschland, ein paar Tage zuvor, hat er nichts gegessen. Familie und Freunde musste er zurücklassen. Geld würde er an die Verwandten schicken, wenn er Arbeit finden würde. Ahnungslos irrte er durch die Straßen dieser neuen, unbekannten Stadt. Hilflos unter Fremden, die seine Sprache nicht sprechen. Fand die Dinge, nach denen er suchte, nicht.

Noch Stunden bis zum nächsten Morgengrauen.

Es regt sich etwas in seinem Blickfeld. Zwei Schränke bewegen sich taumelnd durch die Dunkelheit. Ihre Stimmen zerfetzten die Kälte und schrecken Zahid auf. Er erinnert sich an seine letzte Begegnung mit ähnlichen Hünen. Diese haben ihn in unverständlicher Sprache angeschrienen. Er wusste sich nicht zu helfen als sich aus dem Staub zu machen. Jetzt kauert er in der Ecke. Beobachtet gespannt das torkelnde Duo, das sich seiner Hausecke nähert.

Sie scheinen sich zu unterhalten. Gelächter dringt an Zahids Ohren. Regungslose Anspannung durchdringt seinen Körper. Wie soll er sich verhalten? Kann er diesen Menschen seine Lage klarmachen. Sind sie bereit ihm zu helfen? Verstehen Sie seine Probleme?

Er steht auf. Weiß nicht warum, er tut es einfach. Er läuft aus seiner dunklen Ecke auf die Beiden zu. Er will ihnen begegnen, sehnt sich nach etwas, was er selbst nicht beschreiben könnte. Die Männer bleiben sofort stehen. Sie funkeln ihn aus einigen Metern Entfernung an.

Zahid hat das Duo fast erreicht. Hilfesuchend streckt er die Arme aus. Kurz vor seinem Ziel läuft er gegen eine Wand. Der eine hält ihn mit ausgestrecktem Arm zurück.

Mit der Kraft eines Elefanten wird Zahid zurückgedrängt. Er stolpert nach hinten. Die beiden Schränke lachen. Sie setzten sich wieder in Bewegung. Mustern seine Erscheinung und gehen weiter. Er verschwindet mit seinen Problemen wieder im Schatten. Wartet auf Besserung und schafft es nicht der Kälte zu entkommen. Er kauert sich in seine Ecke, in seinen Schlafplatz.


Der Morgen bricht an. 



Freitag, 13. Februar 2015

Radiostimmen #2 - Seemannsgarn

Yo-ho-ho und Ahoi, ihr Landratten! Ich spinne euch heute ein Seemannsgarn, das sich wahrlich gewaschen hat. 


Es geht nicht um meine Zeit als kleiner Matrose, in der ich noch eine Sprotte war und öfters Kielholen musste. Nein, es geht um die Geschichte, als ich fast von der Planke gejagt wurde.

Seiner Zeit schipperten wir durch den Pazifik. Weit weg von Zivilisation und 3G-Internet-Empfang. Da die Besatzung, wegen der schlechten Verbindung, nichts auf Instagram oder twitter posten konnte, begann nach Tagen der Internetabstinenz die nicht verhinderbare Meuterei. Die Truppe hatte ordentlich den Klüver hängen!

Ich, in meiner Rolle als Internet-Verwalter, kam mit der WLAN-Administration gar nicht mehr hinterher. Schließlich fielen mir fast die Klüsen aus dem Kopf. "Internetverbindung nur noch begrenzt möglich!" Argh!!! Im Schweinsgalopp fand ich mich am Bug des Schiffes wieder. Die Tinder-süchtige Meute hinter mir, bereit mich für mein Versagen von der Planke zu jagen.

Am Rande vom Brett, das das Leben für mich bedeutete, blickte ich in das undurchdringliche blau des Ozeans. Ich schloss meine Augen und bereitete mich vor Davy Jones' Truhe für den Rest der Ewigkeit zu besuchen.

Würde ich das nächste Opfer der Bild-App-Nutzer werden? Erst mein geliebter Kapitän, der ein Freibeuter erster Güte war. Nun ich, der Dublonen-Sammler aus Schwaben ...

Einen Haufen von Entermessern im Rücken, sprach ich das erstbeste Gebet, das mir in den Sinn kam:

Fußball unser, der du bist auf dem Felde
geheiligt werde dein Übersteiger
dein Weitschuss komme
dein Traumtor geschehe, 
wie in Wembley, 
so in einer kalten 
regnerischen Nacht in Stoke. 

Unsere tägliche Pressekonferenz gib uns heute. 
Und vergib uns unsere Schwalben, 
wie auch wir vergeben den gekauften Schiris. 
Und führe uns nicht zum FC Bayern, 
sondern erlöse uns von Sepp Blatter. 
Denn dein ist das runde Leder
und die Schusskraft und das Zlatanieren
in Ewigkeit ...


Doch plötzlich erhob sich eine Stimme aus dem Off. Ein Trunkenbold, niemandem bekannt, hielt einen unfassbaren Monolog und ließ das wahrhaft Böse aus sich heraus. So etwas Räudiges in der Aussprache hatte noch niemand je zuvor gehört. Was ihn dazu veranlasste? Darum spinnen sich Legenden bis zum heutigen Tage.




Die Stimmung auf dem Kahn schlug sofort um. Wer mit solchem Charisma den "Joker" zitieren konnte, musste neuer Kapitän werden. Das was auch die Meinung der Comic-verliebten Crew. Ich nutzte die Gelegenheit der Verwirrung und der Lobpreisung um meinen Hintern aus der Schusslinie zu bringen.

"Beim Klabautermann! Einen Moment mal Matrose," schallte es über das Puppdeck. Versenk' mich doch! Der neue Kapitän hatte meine Wenigkeit nicht vergessen. Was wollte er nur von mir?

Captain Nelson Stinson, wie er sich nannte, wurde in Amerika geboren, hatte keine Ahnung vom deutschen Finanzsystem und benötigte meinen Rat. Aye, aye Käpt'n! Da schleime ich mich doch gleich ein.

Ihm war nämlich mein besonderer kultureller Hintergrund bewusst und frage mich nach Möglichkeiten einen Bausparvertrag abzuschließen. Durch meine einmaligen Kontakte in die schwäbische Heimat war es nur mir möglich ihm unglaubliche Konditionen anzubieten.

Da er verstand was er an einem guten Schwaben wie mir hatte, ernannte er mich sofort zum Jack o' Coins, dem Zahlmeister oder auch Quartiermeister genannt. Ich ging in meiner Rolle als geiziger Schatzmeister natürlich auf. Nachdem das Schiff wieder klar gemacht wurde, der neue Kapitano musste dazu nicht mal mit der Wimper zucken, machten wir uns auf nach Nordamerika.

In den USA tauschten wir die unfähigen Matrosen, die nichts außer Pegida-Gedankengut im Kopf hatten, einfach aus. Die neue Crew bestand nun aus Offensive Linemen, breit wie ein Biberschwanz ... oder so, waren sie. Somit standen Anglizismen auf 'm Kutter an der Tagesordnung und seit jeher nennt man mich nur noch "Jay - tha Quartermaster".

Eines ist nach dieser Geschichte sicher: Falls es irgendwann wieder zur Meuterei kommt, stehe ich hinter meinem Captain wie die Magdeburger Fußball-Fans hinter ihrem FC. Er hat mir das Leben gerettet und somit schulde ich ihm meines.

Kann natürlich sein, dass wir durch schlechtes GPS-Tracking irgendwo kentern, aber das wussten wir zu verhindern ... bis jetzt ... somit auf ins nächste Abenteuer ... in fernes Gewässer ...

.. drei Segel in den Wind, Anker lichten und ne Handbreit Wasser unterm Kiel!


Unbekannte Orte zu nicht bekannten Zeiten -
Der Captain und sein Quartermaster auf ihrer wilden Fahrt durch das Studentenleben













Random Note:
- Unser Video schaffte es sogar in die mopo24 - Qualitätsjournalismus hin oder her... besser 'ne Publicity als keine!

Samstag, 31. Januar 2015

Raus aus dem Abseits #2 - Schwäbische Fußballikone packt aus

Stirbt der Amateurfußball aus? Gibt es noch wahre Duelle zwischen verfeindeten Dörfern? Ist es legitim von der Kreisklasse in die Kreisliga zu wechseln, obwohl der Heimatverein ums nackte Überleben kämpft?

Alles offene Fragen, die schwer zu beantworten sind. Vor allem im heutigen Kontext - WM-Hype hin oder her - ist es mühsam zu sagen, wohin der Amateurfußball tendiert. Sicher ist aber: Die Spielergeneration vor uns hatte eine klare Vorstellung vom "Dorf"-Fußball. Abseits großer Zuschauermengen, auf schlecht gepflegten Rasenanlagen, hatte in jener Zeit an jedem Montag nur das Ergebnis vom Wochenende Relevanz.

Schon lange wollte unser Blogger-Team den wagen Blick in die Vergangenheit riskieren und mit Spielern von damals in Erinnerungen schwelgen. 

Gerade deswegen war die Freude im JJ-thinks-twice-Team riesig, als wir kurz nach Weihnachten die Chance bekamen einer wahren Balltreter-Legende im Kreis Donau/Iller zu lauschen. Zur Person soll nur so viel verraten sein:

Er war in den Strafräumen zwischen Amstetten und Blaustein gefürchtet; gehörte zu den Besten der Stürmerzunft in den späten 70ern; verhalf dem SV Scharenstetten mit seinen Toren zu regionalem Ruhm und ist deshalb in der Geschichte seines Heimatvereins fest verankert.

Im Interview bewies der ehrwürdige Goalgetter seine rhetorischen Qualitäten und feuerte Anekdoten, wie einst Schüsse auf das gegnerische Tor.




Anektote des Tages:
- Wer mich kennt ... weiß dass ich Schwabe bin. Wer das nicht weiß ... bei dem war ich zu sparsam es zu zeigen



Freitag, 30. Januar 2015

Fernsehgesichter #2 - In dem Sinne , Füllwörter ?



Könnte ich noch einmal zur Universität gehen, würde ich mich auf zwei Ziele konzentrieren: Das Schreiben und die Rede vor Publikum. Es gibt nichts Wichtigeres im Leben als die Fähigkeit, effizient zu kommunizieren. 


In diesem Sinne suchten wir nach dem Rezept zur prägnanten Sprache. Ideen vielleicht auch Meinungen vor Menschen - oder besser gesagt Publikum - richtig an die Frau zu bekommen ist schwerer als gedacht. Sozusagen krass schwer. Nur zu oft stolpert der redselige Vortragende über Wörter, verspinnt sich im Satzbau und verliert den so seidenen roten Faden. Wie also Abhilfe schaffen? Wie es besser machen? Wie richtig vermitteln?

Man könnte jetzt natürlich über Rhetorik an sich sprechen, eigentlich auch über Körpersprache oder Selbstvertrauen. Das machen aber schon andere. Sogar besser - wahrscheinlich. Somit blicken wir ein bisschen tiefer in die Sprachgebilde und befassen uns mit Wörtern, die man eigentlich gar nicht braucht.

Der Blog "talkingthetalk" befasst sich mit dem speziellen Thema "Füllwörter". Diese kleinen, fiesen Wörter wie "im Grunde", "halt", "quasi" oder auch das obligatorische "Genau!". Welches oft am Ende des Tunnels des rhetorischen Gedankenganges genutzt wird, um sich Selbstvertrauen zu generieren. Im Grunde sagen diese Sprachgebilde nichts aus.

Beispiel gefällig? Der Ronny hat eine Aufgabe bekommen: einen Vortrag zum Thema "Ameisen" halten. Dabei hat er so seine Schwierigkeiten mit der Artikulation und den lieben Füllwörtern. Er stolpert durch die deutsche Wörterlandschaft wie ein Ameisenbär.  




Na ja, sie sagen schon was aus, diese Füllwörter ... Negatives. Wenn man genau darauf achtet zeigt sich der wahre Grund der Füllwörter: Unsicherheit, um es auf den Punkt zu bringen.

Aber Abhilfe ist nicht fern. Genau genommen ist es einfach - also Training ist ganz einfach und am Ende auch der Weg zum Ziel. Das Ziel die Sprache vom Unnötigen zu reinigen.

Wenn man nämlich trainiert Füllwörter aus dem Sprachduktus zu verbannen klingen Reden, Vorträge und was der Präsentationen mehr sind, viel besser. Viel besser.

Umso schwerer war es das zweite Video in die Kamera zu bringen, da man (also ich um genau zu sein) unbewusst doch quasi mehr Füllwörter sagt, als man denkt. "Das ist halt so". In meiner Rolle als Horst, europa-bekannter Kreideverkäufer, schlängle ich mich, mehr oder weniger, an den Füllwörtern vorbei.

Beispiel gefällig? Der Horst ist für seine eloquente Ausdrucksweise deutschlandweit bekannt. Er stellt das genaue Gegenteil von Ronny dar. Bei ihm sind die Formulierungen scharf wie eine angespitzte Kreide.




Eines kann man uns zwei Rhetorik-Fanatikern nicht vorwerfen: Faulheit. Wir haben es halt versucht, so gut es ging. Mit dem Thema auseinandergesetzt. Ob gut oder schlecht ist egal, weil wir haben es zumindest versucht.

Ganz klar ein Fall von: 'Probieren geht über Studieren', aber Georg Christoph Lichtenberg sagte schon im 18. Jahrhundert:


Es ist heutzutage Mode geworden, das Bücherschreiben als Endzweck des Studierens anzusehen, daher studieren so viele, um zu schreiben, anstatt daß sie studieren sollten, um zu wissen. 



In diesem Sinne: "Empört euch ... gegen Füllwörter!"


... bevor es zu spät ist. 


Ganz am Rande, aber nicht zu vergessen: